Qatarschtrophe...

  • Kleiner Nachtrag, so sahen die 4 zu Bochumer Jugendzeiten mal aus. ;)


    ZSC/DEGShanahan


    hier noch 5 andere bochumer:


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    NieUsenandGah

  • Brasilien wäre schlagbar gewesen, schade! Wieso MY Michi Frey zuhause lässt (Topscorer letzte Saison in Belgien) muss man auch nicht verstehen… Petkovic mag nicht sonderlich beliebt gewesen sein doch seine Aufstellungen und v.a. Einwechslungen sahen jeweils nach einem Plan aus.

  • Yakin hatte auch einen. War klarer 0-0 Fussball. Fast geklappt..

    Michi gilt als nicht grade sehr beliebter Masnnschaftsspieler. Wird unter Yakin nie eine Chance kriegen.

  • Langsam geht es um die Wurst, bzw. um die Würste :mrgreen:


    Unentschieden gegen Serbien muss möglich sein, ansonsten halt nach Hause gehn.

    Wobei unsere lieben Freund aus dem Balkan wieder mal alle Nebenschauplätze in hoher Intensität bespielen. Symphatiepunkte wollten sie ja noch nie sammeln...

    • Official Post


    8 Fan-Typen an der WM

    Wer sitzt da eigentlich im Publikum? Ein Augenschein

    Keine Fussballkultur, keine Stimmung, keine echten Fans: Die europäische Meinung über das Turnier ist gemacht. Der Blick vor Ort zeigt: Das stimmt im Ansatz – und ist doch anders.

    Florian Raz
    Florian Razaus Doha, David Borja aus Doha (TA)
    Publiziert heute um 16:21 Uhr


    Die Einheimischen – fast bis zum Abpfiff

    Genug gesehen: Katarische Anhänger verlassen während des Spiels ihres Teams gegen Senegal das Stadion.


    Genug gesehen: Katarische Anhänger verlassen während des Spiels ihres Teams gegen Senegal das Stadion. Foto: Alex Grimm (Getty Images)

    Es sind für westliche Augen irritierende Szenen, die sich in den ersten Runden der WM auf den Rängen abspielen. Schon zur Pause kommen Zuschauer nicht mehr zurück, spätestens ab der 60. Minute leeren sich die Stadien rapide.

    Kenner der katarischen Fankultur kann das nicht irritieren. Als Katar kurz nach dem Zuschlag für die WM zu Hause den Asiencup eröffnete, kamen die Zuschauer teilweise erst während der ersten Halbzeit auf die Plätze. Es herrschte während des Spiels ein reges Kommen und Gehen. Nach der Pause machten sich viele wieder auf den Heimweg. Oder schauten das Spiel auf ihren Displays in ihren klimatisierten Limousinen auf dem Parkplatz.

    Auffällig ist, wie sich das Verhalten während der WM geändert hat. In den ersten Runden begannen sich die Stadien spätestens nach einer Stunde zu leeren. Inzwischen bleiben auch Katarerinnen und Katarer bis zum Schlusspfiff. Oder fast.


    Die Frauen – auch ein Akt der Befreiung


    In Saudiarabien dürfen Frauen seit 2018 in Fussballstadien – in Katar ist der Anteil weiblicher Fans ähnlich gross wie bei allen anderen Teams.


    In Saudiarabien dürfen Frauen seit 2018 in Fussballstadien – in Katar ist der Anteil weiblicher Fans ähnlich gross wie bei allen anderen Teams. Foto: Amin Jamali (ATP Images)

    Sie sind wie bei jedem Männerfussballspiel auf dieser Erde in der Unterzahl. Aber es hat auffällig viele Frauen auf den Tribünen dieser WM. Und das auch aus Ländern, in denen der weiblichen Bevölkerung bis vor kurzem der Besuch von Fussballstadien verboten war.

    Aus dem Iran sind Frauen angereist, die ohne Kopftuch die Proteste in der Heimat unterstützen. Und solche im Tschador, die nicht in die Protestrufe einstimmen.

    Auch Saudiarabien hat weibliche Unterstützung. Erst seit drei Jahren erlaubt das Königshaus Frauen Auslandsreisen ohne ausdrückliche Zustimmung ihres männlichen Vormundes.

    Als Journalist ist es nicht einfach, mit Frauen aus Saudiarabien ins Gespräch zu kommen. Anfragen werden höflich abgelehnt. Dem «Guardian» sagt Mariam, die ihren Ehemann bei den Kindern in Riad gelassen hat: «Als Kind habe ich alle Spiele des Nationalteams im TV gesehen. Jetzt gehe ich zum ersten Mal ins Stadion. Das ist der grossartigste Tag meines Lebens.»


    Die Araber – es ist ihre Weltmeisterschaft


    Tunesische Fans im Souq Waqif. Viele von ihnen leben und arbeiten schon seit Jahren in Doha.


    Tunesische Fans im Souq Waqif. Viele von ihnen leben und arbeiten schon seit Jahren in Doha. Foto: Raul Arboleda (AFP)

    Ja, es sind Menschen aus Europa angereist. Aber das hier ist keine WM der Europäer, es ist eine der arabischen Welt. Spielen Marokko, Tunesien und vor allem Saudiarabien, steigt die Stimmung nicht nur im Stadion, sondern auch in Zentrum um den Souq Waqif. Das liegt an Migranten wie Enis. Der Tunesier verdient sein Geld als Kellner und weiss aus dem Stegreif alle Details zur Doppeladler-Affäre von 2018.

    Als Einwohner von Katar konnte er sich für zwei Spiele Tunesiens Tickets der günstigsten Kategorie kaufen. Macht zusammen rund 21 Franken oder umgerechnet vier Hauptgänge in einem der kleinen Restaurants in Doha. Zur Feier reist ein enger Freund an.

    Der kann bei Enis schlafen – und umgeht damit die überteuerten Hotelpreise. Selbst Absteigen, die sonst ihre Zimmer für 80 Franken vermieten, verlangen derzeit bis zu 1000 Franken für eine Nacht.

    Aus Saudiarabien sind viele auch ohne Karten für Spiele ihres Teams angereist. Die Grenzen sind offen, die Anreise mit dem Bus ist günstig. Warum also nicht wie Nassim für drei Nächte etwas WM-Luft schnuppern? Er hat seinen Helden Cristiano Ronaldo gegen Uruguay live im Stadion gesehen und ist überzeugt: «Er war dran am Ball. Das ist sein Tor!»

    Viel wichtiger aber ist Nassim seine Botschaft am Ende des Gesprächs. Damit sie richtig ankommt, nutzt er lieber Google-Translate: «2030 wird die WM in Saudiarabien stattfinden. Ich freue mich, wenn du dann auch kommst!»


    Die Inder – Fans wie aus der TV-Werbung


    Argentinien-Trikots und südafrikanische Vuvuzelas? In Doha gilt für viele Fans: Anything goes.


    Argentinien-Trikots und südafrikanische Vuvuzelas? In Doha gilt für viele Fans: Anything goes. Foto: Alex Pantling (Getty Images)

    Die trommelnden Inder, die kurz vor WM-Beginn auf Instagram als Fans von Deutschland, England oder Brasilien tanzten, fanden in Europa alle lustig. Fakt ist, dass geschätzte 700’000 Menschen aus Indien in Katar leben. Die meisten sind aufgrund der Migrationsgesetze männliche Singles.

    Viele von ihnen mögen Fussball und laufen in Doha mit dem Leibchen ihres Lieblingsnationalteams herum. Dazu kommt bei Matchs gern eine lustige Kopfbedeckung oder sonst ein Gimmick. Und so sind viele ausstaffiert wie die Schauspieler, die in Werbespots jene Art von Fussballfans spielen, die es nur in der Fantasie von Marketingmenschen gibt.

    Das macht Sinn, weil die meisten von ihnen Fussball nur aus dem TV kennen. Jaswant jedenfalls ist vor Argentinien gegen Mexiko begeistert, weil er zum ersten Mal in seinem Leben ein Spiel im Stadion sehen wird. Wie viele indische Fans sieht er das mit der Uniformierung nicht so eng. Er trägt ein Messi-Shirt und einen mexikanischen Sombrero.


    Die angereisten Fans – Jagd nach den «Big Five»


    Ganz seltene Exemplare: Der Fanclub der deutschen Nationalmannschaft wohnt nicht in Doha, sondern in Dubai.


    Ganz seltene Exemplare: Der Fanclub der deutschen Nationalmannschaft wohnt nicht in Doha, sondern in Dubai. Foto: Anne-Christine Poujoulat (AFP)

    Wo es so viele gibt, die mit einer Nation mitfiebern, mit der sie nur eine Fernbeziehung pflegen, steigt die Aufregung bei der Sichtung sogenannt echter Fans. Tauchen argentinische Argentinier oder niederländische Niederländer auf, die vielleicht auch noch singen, werden sofort die Mobiltelefone gezückt.

    Es ist eine Art WM-Safari. Nur, dass die «Big Five» nicht Löwe, Elefant, Büffel, Nashorn und Leopard sind. Sondern Engländer, Brasilianer, Argentinier, Holländer und Deutsche. Wobei Letztere am schwierigsten zu erwischen sind. Der Fanclub des deutschen Nationalteams fliegt jeweils für die Spiele aus dem Camp in Dubai ein.

    Natürlich wird wie bei jeder guten Safari für die Sicherheit der Gäste gesorgt. Singen und tanzen die Brasilianer etwas zu fest, werden sofort Abteile in Metrozügen gesperrt. Motto: Frauen und Kinder zuerst.


    Die Lateinamerikaner – keine Berührungsängste


    WM in Katar, na und? Mexikos Anhänger sehen da eher kein Problem.


    WM in Katar, na und? Mexikos Anhänger sehen da eher kein Problem. Foto: Alex Grimm (Getty Images)

    Für sie macht es keinen Unterschied, ob die WM in Europa oder in Katar stattfindet. «Teuer ist es sowieso», findet Dina. Sie sagt, sie gehöre zum mexikanischen Mittelstand, und lächelt bei der Vermutung, es sei wohl der gehobene Mittelstand.

    Dina ist eine der ganz vielen angereisten Fans aus Lateinamerika, die weder ein Problem mit den steilen Hotelpreisen haben («sogar höher als Dubai») noch mit der Menschenrechtsfrage: «In Mexiko gibt es auch harte Arbeitsbedingungen.» Und das mit dem Alkohol? Dina lächelt: «Den gibt es vor und nach dem Spiel in der Hotelbar.»


    Die Zuschauerzahlen – ausverkauft mit leeren Sitzen


    Die Schweiz zieht nicht: So sieht es aus, wenn laut Fifa 39’089 Zuschauer in einem Stadion sitzen, das Platz für 44’325 Personen hat.


    Die Schweiz zieht nicht: So sieht es aus, wenn laut Fifa 39’089 Zuschauer in einem Stadion sitzen, das Platz für 44’325 Personen hat. Foto: Dan Mullan (Getty Images)

    Am Anfang herrscht Verwirrung. Da werden Zuschauerzahlen gemeldet, die höher sind als das offizielle Fassungsvermögen einzelner Stadien, während viele freie Sitze zu sehen sind. Dann meldet die Fifa erst neue Stadionkapazitäten. Und dann, dass sie fast alle Tickets verkauft habe. Was die Sitze in den Stadien nicht weniger leer macht.

    Allerdings nehmen die freien Plätze mit Fortdauer des Turniers ab. Zu beobachten war nach den ersten Runden mit bedenklichen Lücken auf den Rängen, wie die Fifa unter ihren freiwilligen Helferinnen eifrig Gratistickets verteilte.

    Klar ist, dass die Spiele mit Schweizer Beteiligung keine Renner sind. Gegen Kamerun ist das Stadion maximal zu drei Vierteln gefüllt. Und selbst gegen Brasilien bleiben viele Sitze hochgeklappt.


    Die very, very important persons – Langeweile im Sessel


    Noch mehr Beinfreiheit als in der Businessklasse: Die Sitze der VVIP an der WM in Katar.


    Noch mehr Beinfreiheit als in der Businessklasse: Die Sitze der VVIP an der WM in Katar. Foto: Matthias Hangst (Getty Images)

    Ins Al-Bayt-Stadion haben sie ihnen eine vierspurige Autobahn bis kurz vor die Loge gebaut. In den anderen Stadien müssen die very, very important persons tatsächlich noch ein paar Meter zu Fuss bis ins Stadion hinter sich bringen.

    WEITER NACH DER WERBUNG

    Um sie von dieser Zumutung etwas abzulenken, schwebt dann auf ihrem Weg zum Beispiel eine Frau im Rokokokleid zwei Meter über dem Boden und tut so, als würde sie auf einem fliegenden Flügel spielen. In der prallen Sonne bei 30 Grad. Stundenlang. «Sie hat einen verrückten Job», stellt der Sicherheitsmann fachkundig fest, der ein paar Meter daneben im Schatten steht.

    Im Stadion sitzen die VVIP in Sesseln mit Armlehnen, die fast so breit sind wie Xherdan Shaqiris Waden. Und langweilen sich. Zumindest sieht es jeweils so aus, wenn die Kamera wieder einen der einstigen Fussballstars einfängt, der in sein Handy starrt, während unten Fussball gespielt wird.

    Nur einer sieht auf den Sesseln jeweils recht gut gelaunt aus: Fifa-Präsident Gianni Infantino.

  • dass ein fussballer in so wenigen worten mal was schlaues sagt, ist durchaus bemerkenswert!


    In Katar gelten Ansichten und Gesetze, die wir nicht teilen, aber respektieren sollten. Was nicht heisst, dass man sie gutheissen muss. Sonst müsste man von Anfang an konsequent sein und gar nicht an der WM teilnehmen. In einem fremden Land für die eigenen Ansichten einstehen, ist schwierig und kann zu Spaltung führen. Und davon haben wir mit Corona und dem Ukraine-Krieg auf der Welt momentan leider schon genug. Eine WM soll sportlich für Schlagzeilen sorgen und nicht für gesellschaftliche und politische Konflikte genutzt werden.


    WM 2022: Ex-Nati-Captain Lichtsteiner spricht Klartext vor Serbien-Spiel (blick.ch)

    NieUsenandGah

    • Official Post


    Schweizer Fans an der WM

    «Sehr schön ist es hier, alles passt: die Architektur, der ÖV, die Leute, das Essen»

    Schweizer Fans sind fasziniert von Katar. Zwischen den Spielen gehen sie auf Touren, Hafenrundfahrten oder Safari. Von Kritik am Gastgeberland wollen sie wenig wissen.

    Ueli Kägi
    Ueli Kägi (TA)
    Publiziert heute um 11:39 Uhr


    Vier vom «Swiss Fans Club Lumino» aus dem Tessin: Davide, Gianmarco, Michele und Toma an einem Match in Katar.


    Vier vom «Swiss Fans Club Lumino» aus dem Tessin: Davide, Gianmarco, Michele und Toma an einem Match in Katar. Foto: Selfie

    Lumino ist ein kleines Dorf bei Bellinzona, ganz im Süden des Misox, keine 2000 Einwohner hat es. Der «Swiss Fans Club Lumino» zählt trotzdem 250 Mitglieder. Sie kommen aus dem ganzen Tessin und aus dem Kanton Graubünden. Nach Katar haben es acht von ihnen geschafft, sechs Männer und zwei Frauen.

    «Sehr schön ist es hier», sagt Michele Garbani, «alles passt: die Architektur, der öffentliche Verkehr, die Sauberkeit, die Leute, das Essen.» Das klingt ein wenig wie bei einer Städtereise nach Valencia. Und das ist vielleicht auch nicht zufällig. Michele findet, die Medien hätten mit ihrer kritischen Berichterstattung zur WM in Katar übertrieben.


    Die Spiele der Schweizer hat die Tessiner Reisegruppe bisher gesehen, am Freitag folgt der Serbien-Match. Schafft es die Schweiz in den Achtelfinal, möchten sie bleiben. Zwischen den Spielen sind sie auf Tour. Laufen durch die Stadt, machen eine Hafenrundfahrt, gehen auf Wüsten-Safari.

    Begeistert sind sie, wenn die südamerikanischen Fangruppen für das passende Ambiente sorgen, auch beim gemeinsamen Public Viewing auf dem Kreuzfahrtschiff, das im Hafen von Doha vor Anker liegt und auf dem sie während der WM wohnen. Was sie stört an diesem Turnier? Nicht sehr viel. Die vielen Sicherheitskontrollen. Und vielleicht die 14 bis 15 Franken für ein Glas Weisswein.



    Fasziniert von den Gegensätzen


    Die EM 2021 hat ihnen Lust auf die WM 2022 gemacht: Trix und Daniel Zimmermann aus Visperterminen im Wallis.


    Die EM 2021 hat ihnen Lust auf die WM 2022 gemacht: Trix und Daniel Zimmermann aus Visperterminen im Wallis. Foto: Privat

    Sie ist Trix. Er heisst Daniel. Vergangenes Jahr reiste das Ehepaar Zimmermann aus dem Wallis dem Schweizer Team erstmals an einer EM hinterher – bis nach Aserbeidschan. Es hat ihnen so gut gefallen, dass sie jetzt an ihrer ersten WM sind. Trix sagt: «Bestimmt ist hier nicht alles gut. Aber das ist bei uns auch nicht der Fall.»

    Sie sind auf das zweite Schweizer Spiel hin nach Katar geflogen. Sie ist fasziniert von den Gegensätzen in Doha. Hier die imposante Skyline, in den vergangenen 20 Jahren aus dem Boden gestampft. Und gleich daneben vergleichsweise winzige Häuser wie auf dem Souq Waqif, dem 2006 restaurierten traditionellen Markt. Hier 300’000 Einheimische, dort rund 3 Millionen Gastarbeiter.

    Nur in einem hat sie sich getäuscht. Die Stadien liegen zwar alle relativ nah, die Anreise mit Taxi oder U-Bahn braucht aber doch Zeit. Sie sagt: «Ein Matchbesuch ist aufwendiger, als ich gedacht habe.»



    Schreckmoment vor dem Stadion


    Zwei Herzen: Leda und Rolf Schellenberg auf der Tribüne beim Spiel Brasilien - Schweiz.


    Zwei Herzen: Leda und Rolf Schellenberg auf der Tribüne beim Spiel Brasilien - Schweiz. Foto: Privat

    Leda und Rolf Schellenberg sind keine riesigen Fussballfans. Sie haben sich sehr spontan und nach der Gruppenauslosung entschieden, an die WM zu reisen. Sie ist gebürtige Brasilianerin, er ist Schweizer. Seit 30 Jahren sind sie verheiratet.

    2006 sind die beiden von Wallisellen nach München gereist, um die WM-Atmosphäre zu geniessen, an einem Match waren sie damals aber nicht. Bei der Partie zwischen der Schweiz und Brasilien waren sie nun erstmals im Stadion. Sie mussten dafür einen Schreckmoment überstehen. Durch ein Malheur wurde das Handy mit den gespeicherten elektronischen Tickets nass und setzte einen Moment lang aus.


    Rolf hat die Berichterstattung rund um diese WM intensiv verfolgt, er ist selbst kritisch gewesen gegenüber dieser Veranstaltung. Nach drei Tagen in Doha traut er sich noch keine Einschätzung zu, was er nun von diesem Turnier und dem Land halten soll. Was er bisher gesehen hat, gefällt ihm aber: Das Klima findet er wunderbar, und die Leute seien ausserordentlich freundlich.

    Leda hätte sich über ein 1:1 im Match zwischen ihrer alten und der neuen Heimat gefreut, jetzt hofft sie auf ein zweites Spiel zwischen der Schweiz und Brasilien – im Final. Weil es ihr in Doha gut gefällt, möchte sie die Reise gerne verlängern. Gebucht haben sie eigentlich nur bis nach dem Match gegen Serbien.


    Der Routinier: 19 Spiele in 19 Tagen


    Viel mehr WM geht nicht: Peter Meier (im weissen Hemd) und seine Freunde beim Spiel zwischen England und Wales. Das Selfie schiesst Roman Hangarter, früherer Nachwuchschef von GC und jetzt beim FC Lugano.


    Viel mehr WM geht nicht: Peter Meier (im weissen Hemd) und seine Freunde beim Spiel zwischen England und Wales. Das Selfie schiesst Roman Hangarter, früherer Nachwuchschef von GC und jetzt beim FC Lugano. Foto: Privat

    Peter Meier ist aus Südamerika eingeflogen, um die WM in Katar zu erleben. Meier ist ein WM-Routinier. Aufgrund der Begleitumstände nicht nach Katar zu gehen, hat er sich nicht vorstellen können. Dafür ist er zu sehr Fussballfan.

    Seit seiner Pensionierung vor anderthalb Jahren lebt Meier in Brasilien, der Heimat seiner früheren Frau. Es ist sein zwölftes grosses Turnier, die sechste WM. Die Schweizer Partien nimmt er gerne mit, dann trägt er auch das rote Trikot, sie stehen aber nicht im Zentrum.

    Er möchte Spiele mit grossen Teams und guter Atmosphäre sehen. Möglichst viele Spiele. 19 Mal in 19 Tagen wird er bis zu den Viertelfinals im Stadion sein, dann reist er wieder ab. Irgendwann wird es auch für ihn zu lang. Nur einmal ist er bisher bis zum Final geblieben, 2014 in Brasilien, als er 21 Spiele sah. Das war damals auch sehr praktisch: Er besitzt eine Wohnung in Rio.

    Vier Freunde aus dem Raum Schwamendingen, Dietlikon, Dübendorf sind mit Meier in Katar, sie reisen schon seit Jahren zusammen an Welt- und Europameisterschaften. Mit dabei ist auch Roman Hangarter, bis in diesem Frühjahr Nachwuchschef bei GC, jetzt Leiter Academy beim FC Lugano. Knapp 7000 Franken kostet die Reise pro Person inklusive Tickets und ohne Mahlzeiten, wobei Hangarter etwas günstiger wegkommt, weil er früher abreist. Die Gruppe übernachtet in zwei Wohnungen mit je drei Schlafgelegenheiten, Meier hat wie immer die Reise und Tickets organisiert.

    Wenn die Verkaufsportale öffnen, sitzt er stundenlang vor dem Computer, vor sich die Kreditkartennummern von sich und seinen Kollegen. Für Katar sei es vergleichsweise einfach gewesen, Karten zu bekommen. Und was Meier nicht in der ersten oder zweiten Verkaufsphase ergattern konnte, sichert er sich auch in diesem Tagen noch auf dem offiziellen Wiederverkaufsportal.


    Eine Hälfte Rot, die andere Hälfte Gelb


    Fussball, Familie und Pokal: Daniel, seine Frau Edien und die beiden Kinder.


    Fussball, Familie und Pokal: Daniel, seine Frau Edien und die beiden Kinder. Foto: Privat

    «Ich liebe Fussball über alles, und für Fussball würde ich alles geben», sagt Daniel. Er ist Unternehmer und wohnt mit seiner Familie im Appenzell. Jetzt ist er zusammen mit seiner brasilianischen Frau Edien und den kleinen Kindern Eric und Elen in Doha. Für ihn ist es die dritte WM. Edien hat er am Turnier 2014 kennen gelernt. 2018 war er in Russland.

    Beim Brasilien-Match sass die gesamte Familie im Stadion, die eine Hälfte im Schweizer Rot, die andere Hälfte im brasilianischen Gelb. Sonst geht Daniel alleine, gebucht hat er die Schweizer Spiele. Bleibt die Mannschaft im Turnier, werden die Ferien verlängert. Ist kein Fussball, macht die Familie Ausflüge, zum Beispiel mit dem Taxi zum Kamelreiten in die Wüste. Auch er ist nicht gekommen, um Kritik zu üben am Gastgeberland. Die Zeit in Doha findet er «sensationell».


  • absolut geniale Aktion, das Internet vergisst nicht :)


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    • Official Post

    Das Wort zum Abschied:

    Die deutsche Nationalmannschaft entfremdet sich immer mehr von ihrem Publikum

    Die deutschen Fussballer wirken an dieser WM seltsam entrückt. Das hat nicht nur mit den Diskussionen um die Captainbinde zu tun. Es ist das Ergebnis eines langen Prozesses.


    Stefan Osterhaus, Doha01.12.2022, 05.30 Uhr (NZZ)


    Das Verhältnis zwischen dem deutschen Nationalteam und seinen Fans ist angespannt. Nach dem 1:1 gegen Spanien gibt es immerhin gegenseitigen Applaus.

    Das Verhältnis zwischen dem deutschen Nationalteam und seinen Fans ist angespannt. Nach dem 1:1 gegen Spanien gibt es immerhin gegenseitigen Applaus.

    Rungroj Yongrit / EPA

    Wie gross ist die Distanz zwischen Deutschlands Nationalelf und dem Publikum in der Heimat? Blickt man auf das vergangene Wochenende, könnte man meinen, sie betrüge relativ genau 125 Kilometer. 125 Kilometer: Das ist die Distanz zwischen dem Domizil der Deutschen im Norden Katars und dem Medienzentrum in al-Rayyan, in dem vor WM-Spielen jeweils der Nationaltrainer und ein Spieler Auskunft geben.

    Am Wochenende aber hatte die deutsche Delegation es nicht für nötig befunden, einen Spieler vor dem Match gegen Spanien zu entsenden. Der Bundestrainer Hansi Flick kam alleine, und die Botschaft, die er überbrachte, rief Kopfschütteln hervor: Die Deutschen hätten die Medien gerne bei sich begrüsst. Schliesslich, so Flick, stünde ein vollwertiges Medienzentrum zur Verfügung.

    Die Fifa lehnte die Offerte dankend ab, bestand auf das bewährte Prozedere. Da den Deutschen die Bitte abgeschlagen wurde, seien sie nun ein wenig «enttäuscht», sagte Flick.

    Nachrichten aus einem anderen Universum

    Es waren Nachrichten aus einem anderen Universum. Als solches wird der Rückzugsort im Norden Katars wahrgenommen. Und er ist nur ein Symptom mehr für die schleichende Entfremdung eines Millionenpublikums von seinem einst liebsten Kind. Sie ist messbar. In Ticketverkäufen an Heimspielen, in Einschaltquoten. Den ersten Match gegen Japan sahen am TV nicht mehr als neun Millionen Zuschauer – ein Tiefstand, wie er kaum für möglich gehalten worden war.

    Gewiss zeitigt die Diskussion um den nicht sonderlich populären WM-Ausrichter Katar gewisse Effekte. Allerdings schalteten selbst zum Match gegen Spanien, in dem es für die Deutschen um viel ging, nicht mehr als 17 Millionen Leute ihre TV-Geräte ein – früher waren es bei vergleichbaren Spielen schon einmal 25 Millionen oder mehr. Dieser Wert dürfte auch am Donnerstag im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica kaum erreicht werden.

    Es sind Anzeichen einer schleichenden Entfremdung. Dabei gibt es keinen fixen Punkt, der sich bestimmen liesse, keine Markierung, von der sich sagen liesse: Ab dann liefen die Dinge aus dem Ruder. Vielmehr ist es eine Verkettung von Ereignissen, die dazu geführt hat, dass diese Mannschaft dem Publikum immer fremder geworden ist. Sicher, es gab ein paar Anlässe, die diese Entwicklung beschleunigten: die WM 2018 etwa, als eine präpotent auftretende deutsche Mannschaft in der Vorrunde ausschied.

    Angereist als Favorit, leistete sie sich eine lange Diskussion um ein Treffen ihres Mittelfeldspielers Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Özils Weigerung, Abbitte zu leisten, wurde vom Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, gar als Alibi genutzt, wofür er heftig kritisiert wurde. Unter der Regie des alerten Marketing-Offiziers des DFB sind sonderbare Sachen zustande gekommen, wie die zeitweilige Umetikettierung der Nationalmannschaft, die in der Folge bloss noch die «Mannschaft» hiess. Solche Beliebigkeit goutierte das Publikum nicht. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass der DFB nicht mehr weiss, wer seine Kundschaft ist.

    Der Anspruch wird nicht mehr eingelöst

    Zumal der Anspruch, zu den Besten zu gehören, längst nicht mehr eingelöst wurde. Die Beharrlichkeit, mit der sich der damalige Bundestrainer Joachim Löw an sein Amt klammerte, irritierte, ebenso die Unfähigkeit des Verbandes, dem Engagement nach langen, erfolgreichen Jahren ein Ende zu setzen.

    So ist kaum anzunehmen, dass Löws Nachfolger und ehemaliger Assistent Hansi Flick einen grösseren Anteil an der Schieflage zu verantworten hat, in die das Verhältnis von Nationalteam und Öffentlichkeit geraten ist. Kein anderer Trainer wäre mit so viel Wohlwollen begrüsst worden wie der ehemalige Bayern-Coach, der im Ruf steht, ein Spielerversteher zu sein, der nicht zuchtmeisterlich, sondern auf kooperative Art zu Erfolgen kommt. Doch Flicks unglücklicher Auftritt vor dem Match gegen Spanien illustriert: Er hat die Gepflogenheiten im DFB sehr schnell adaptiert.

    Aber ist es bloss eine Frage der Mannschaft und des Milieus, in dem sie sich bewegt? Oder hat auch der DFB einen Anteil daran? Fest steht, dass der Ruf der Institution seit Jahren leidet. Nun versuchte der ehemalige SPD-Landespolitiker Bernd Neuendorf dem Verband ein neues Profil zu geben. Bis jetzt nimmt sich die Situation eher enttäuschend aus. Die Diskussionen um die Captainbinde hinterliessen einen überforderten deutschen Stab, bis anhin fügt sich Neuendorf in die Reihe seiner Vorgänger. Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach, Reinhard Grindel und Fritz Keller – sie alle machten einen bisweilen überforderten, teilweise auch eitlen Eindruck.

    Nun geht es um Folklore

    Wie aber lässt sich das gestörte Verhältnis von Team und Publikum wieder einrenken? Wonach es verlangt, ist nicht schwer zu erraten. Keiner in dieser Mannschaft geniesst grössere Sympathien als der Mittelstürmer Niclas Füllkrug von Werder Bremen. Füllkrug rutschte auf den letzten Drücker ins Kader, gegen Spanien bewährte er sich als Joker mit einem fulminanten Treffer zum Ausgleich.

    Füllkrug lebt eine Bodenständigkeit, wie sie im Fussball der Gegenwart selten geworden ist. Seine Zahnlücke macht ihn, den Stürmer mit der Statur eines Möbelpackers, unverwechselbar. Tritt Füllkrug auf, mahnt er zur Mässigung und sagt, es sei nicht an ihm, Ansprüche zu stellen.

    Niclas Füllkrug zeigt seinen Bizeps.

    Youtube

    Er konterkariert die Wichtigtuerei um ihn herum – und besetzt damit jene Leerstelle, ohne die das Ensemble entrückt erscheinen würde. Jahrelang kam diese Rolle dem Kölner Stürmer Lukas Podolski zu, an der letzten Europameisterschaft dem niederrheinischen Psychologie-Studenten Robin Gosens, der sich auf dem Umweg über Italien ins Nationalteam spielte.

    Nicht umsonst kapriziert sich die Berichterstattung gerne auf solche Spieler, die dann «Typen» genannt werden. Es sind Karrieren, die keinem Plan zu folgen scheinen. Dem Erfolg, so hat es den Anschein, wohnt etwas Irrationales inne. Letztlich aber ist der Kult um solche Figuren nichts weiter als Folklore – und bloss ein weiteres Symptom dafür, wie fremd sich Mannschaft und Publikum geworden sind.

  • larry hat schon vor 12 Jahren zum Boykott aufgerufen 🥳🥳


    In Deutschland machen ja ganze Kurven Aufruf zum Boykott. Frauen Fussball hat Zuschauerrekorde. In Deutschland sind die Fernsehzahlen im Vergleich zu vor vier Jahren komplett eingebrochen. Hier die Kurve von Dortmund vor der WM

    Und gucken sich dann die CL Spiele gegen PSG und englischen Teams an.... alles klar. Wenn die Welt doch nur so einfach wäre. Unterdessen wissen wir alle, dass es eine viel differenziertere Betrachtungsweise braucht und das wir Europäer für die Fifa längst komplett irrelevant sind... ausser wir boykottieren eines Tages wirklich eine WM. Dann ja. Sonst werde wir eh dauernd überstimmt und die spannenden Fussballmärkte sind längst woanders (rein vom Sponsoring gesehen).

    Edited 2 times, last by Blackstar ().

  • larry hat schon vor 12 Jahren zum Boykott aufgerufen 🥳🥳


    In Deutschland machen ja ganze Kurven Aufruf zum Boykott. Frauen Fussball hat Zuschauerrekorde. In Deutschland sind die Fernsehzahlen im Vergleich zu vor vier Jahren komplett eingebrochen. Hier die Kurve von Dortmund vor der WM

    Vielleicht sind die Zuschauerzahlen auch eingebrochen, weil die deutsche Nationalmannschaft mittlerweile seit Jahren nur noch (für ihr Renommée) enttäuschende Leistungen abliefert (WM 2018, EM 2021, Nations League etc.).


    Und wie Blackstar richtig schreibt, die ganzen Boykottaufrufe sind einfach nur scheinheilig. Man hätte in Dortmund problemlos ein Zeichen setzen können, und bspw. die Partie gegen Manchester City boykottieren können. Und auch das Geld von der UEFA aus der Champions League nimmt man mit Handkuss, habe zumindest kein gegenteiliges Transparent gesehen...

  • Vielleicht sind die Zuschauerzahlen auch eingebrochen, weil die deutsche Nationalmannschaft mittlerweile seit Jahren nur noch (für ihr Renommée) enttäuschende Leistungen abliefert (WM 2018, EM 2021, Nations League etc.).


    Und wie Blackstar richtig schreibt, die ganzen Boykottaufrufe sind einfach nur scheinheilig. Man hätte in Dortmund problemlos ein Zeichen setzen können, und bspw. die Partie gegen Manchester City boykottieren können. Und auch das Geld von der UEFA aus der Champions League nimmt man mit Handkuss, habe zumindest kein gegenteiliges Transparent gesehen...

    Sicherlich alles. Aber Deutschland ist ja aktuell nur noch Mittelmass. Und wir wissen ja wieviel Bedeutung Mittelmass im Sport mit der Zeit noch kriegt. Vor allem wenn du mal ganz oben warst....

    • Official Post

    larry hat schon vor 12 Jahren zum Boykott aufgerufen 🥳🥳


    In Deutschland machen ja ganze Kurven Aufruf zum Boykott.

    ...und guckt jetzt trotzdem. Bringt ja nichts!


    Die Kurven waren noch nie Fan einer Nati, auch die SK wirst du nie an einem Nati Spiel finden, von dem her: Who cares?


    Den Entscheid finde ich nach wie vor einen Skandal und falsch.


    Aber Lebbe geht weider!

  • Blerim Dzemaili: «Ich hätte ein Volksheld sein können»

    Er war an drei Weltmeisterschaften als Fussballer dabei, in Katar ist er TV-Experte. Der FCZ-Spieler Blerim Dzemaili sagt, diese WM bereite ihm viel Freude. Und er fordert mehr Mut von den Schweizern.


    Blerim Dzemaili, Sie arbeiten in Katar als Experte des Tessiner Fernsehens. Wie gefällt Ihnen diese WM?

    Es ist eine gute WM, sehr unterhaltsam. Der Rhythmus ist höher als sonst, weil das Turnier mitten in der Saison ausgetragen wird und die Spieler weniger müde sind. Ich habe viel Freude.


    Trotz den schwierigen Begleitumständen in Katar?

    Es ist ein tolles Turnier für die Zuschauer, es hat keine Hooligans, alle Stadien sind innerhalb von einer Stunde zu erreichen. Die Atmosphäre in Doha ist grossartig, die vielen Südamerikaner und Araber machen Stimmung. Ich bin sehr enttäuscht über jene Europäer, die das Turnier boykottieren und es schlechtmachen. Damit straft man die Spieler ab. Wir haben in Teilen Europas immer das Gefühl, alles am besten zu wissen und andere belehren zu müssen.

    Die Menschenrechtslage in Katar ist schlecht.

    Natürlich ist sie das. Wie war das zuletzt in Südafrika, in Brasilien, in Russland? Es ist eine Fussball-WM, da sind immer Debatten. Es gibt andere Kulturen, und wenn wir hier zu Besuch sind, müssen wir uns anpassen. Und am Ende geht es um Fussball.

    Was haben Sie taktisch festgestellt?

    Der Trend hat sich fortgesetzt, dass alle Mannschaften sehr gut organisiert sind. Die Aussenseiter verteidigen stark, sie verschieben geschickt. Die Japaner waren beim Sieg gegen Deutschland das beste Beispiel dafür. Als sie dann gegen Costa Rica das Spiel machen mussten, fehlten ihnen die Ideen. Das ist bei der Schweiz ja nicht anders. Sie war defensiv überragend gegen Brasilien, aber offensiv total harmlos.


    Wie lautet Ihr Urteil zu den Schweizern?

    Es ist ein schmaler Grat, auf dem sie gehen. Es läuft so, wie alle erwartet haben, nun kommt der Final gegen Serbien. Mir ist das aber bis jetzt zu wenig mutig.

    Ist das eine Kritik an Murat Yakin?

    Nein, überhaupt nicht. Die Resultate stimmen, die Schweiz hat die WM erreicht, der Europameister Italien nicht. Was man nicht vergessen darf: Murat hat nicht besonders viele Optionen in der Offensive. Ich hätte auf jeden Fall mehr Stürmer und weniger zentrale Spieler an die WM mitgenommen, selbst wenn die Auswahl nicht so gross ist wie früher. Ich fand es auch eigenartig, dass nicht jede Position doppelt besetzt ist, bei den Aussenverteidigern fehlen die Alternativen. Aber letztes Jahr an der EM waren die ersten zwei Spiele auch schwach, danach steigerte sich die Schweiz. Das traue ich ihr erneut zu, das Potenzial ist vorhanden.


    Ist es die beste Schweizer Nationalmannschaft der Geschichte?

    Ich war beleidigt, als ich das hörte. Ernsthaft: Auch bei uns hiess es das an jedem Turnier. Nur die Resultate werden darüber entscheiden. Die Schweiz braucht jetzt Xherdan Shaqiri mit seinen Ideen und Dribblings, den Eckbällen und Freistössen. Er ist ein Lausbub im positiven Sinn, der Spass haben will. Ich fand es ideal, dass er gegen Brasilien nicht spielte, weil er wohl nicht drei Partien in acht Tagen auf diesem Niveau hätte absolvieren können.



    Wie gefällt Ihnen der Captain Granit Xhaka?

    Granit ist der beste Schweizer Spieler der letzten Jahre. Aber im zentralen Mittelfeld sind Remo Freuler und Djibril Sow ähnliche Fussballer. An der letzten WM war Valon Behrami ein klarer Balleroberer, ich spielte gerne weiter vorne zwischen den Linien, Granit war der Gestalter. Das war ausbalancierter.

    Wie könnte man das lösen?

    Ich bin ein grosser Fan von Denis Zakaria. Er hat alles, was es braucht, um dominant zu sein. Er ist anders als die anderen im Mittelfeld, mit seinen langen Schritten, der starken Technik, dem guten Schuss. Ich finde, Denis Zakaria hätte eine Chance verdient, weil er dem Team eine neue, eine andere Seite gäbe. Sowieso ist es wichtig, offensiver zu spielen.

    Mehr Vladimir Petkovic, weniger Murat Yakin?

    Vielleicht wäre ein Mix perfekt. Es ist alles so eng geworden im Fussball, die Teams neutralisieren sich, da braucht es manchmal etwas Wildes, Unerwartetes.

    Nun kommt das Spiel gegen Serbien, wie an der WM 2018, als es die Doppeladler-Affäre gab. Was denken Sie heute darüber?

    Meine Familie kommt aus Nordmazedonien, ich wurde damals weniger stark angefeindet als die gebürtigen Kosovaren Xhaka und Shaqiri. Für mich war vor vier Jahren klar, dass es eskalieren würde, es war alles so emotional.

    Granit Xhaka ist sehr ruhig an dieser WM. Nehmen Sie ihm diese Entspanntheit ab?

    Auf jeden Fall. Vergessen Sie nicht: Granit ist jetzt Captain, er muss das Team an der WM führen, ein Vorbild sein. Und er hat alle Provokationen schon gehört. Er ist älter geworden und reifer, er hat heute eine Familie. Mir gefällt Granit sehr, weil er ein Spieler ist, der seine Meinung sagt und Verantwortung übernimmt. Ich liebe solche Spielertypen, ich bin ja selber auch einer, der polarisiert. Leider sind heute viele Fussballer ähnlich. Sie erledigen ihren Job, sind fleissig und still, ohne Ecken und Kanten.

    Wie erlebt man als Fussballer eigentlich so eine WM, wenn man die ganze Zeit im Hotel sitzt?

    Das geht alles so schnell vorbei, es ist nie langweilig. Jetzt sind die Spieler schon im Modus, in dem jederzeit am nächsten Tag der Rückflug sein kann. Es ist wichtig, dass die Spieler raus können, hier in Doha auch einmal in eine Shoppingmall oder in ein Restaurant gehen, Ablenkung finden.


    Wie sehr ist man sich während einer WM bewusst, dass man an einer WM ist?

    Leider zu wenig. Ich gehe ab und zu Serie-A-Spiele schauen und denke dann: «Wow, da habe ich mitgespielt.» Man realisiert erst später, wie grossartig so eine WM für einen Fussballer ist.

    Eine Sache müssen wir mit Ihnen noch besprechen.

    Jetzt kommt das Argentinien-Spiel.

    Sie vergaben 2014 im WM-Achtelfinal in der Nachspielzeit der Verlängerung eine Riesenchance, als Sie aus kurzer Distanz den Pfosten trafen und das 1:1 vergaben.

    Ich hätte ein Volksheld sein können. Es war eine unglückliche Situation. Diese Szene war vielleicht ein Sinnbild für das Verhältnis zwischen dem Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld und mir. Ich hätte gerne mehr gespielt.


    Vier Jahre später verlor die energielose Schweiz im WM-Achtelfinal 0:1 gegen Schweden.

    Wir waren schwach. Aber einige Fehler waren schon vorher gemacht worden. Es gab die Unruhe nach der Partie gegen Serbien, wir hätten im dritten Gruppenspiel gegen Costa Rica mehr Spieler schonen müssen. Diese Begegnung gegen Schweden würde ich gerne noch einmal spielen. Aber jene Nationalspieler, die noch dabei sind, haben von diesen Erfahrungen profitiert. Das sah man an der EM im letzten Jahr. Und das kann jetzt auch an dieser WM helfen.

    Blerim Dzemaili

    69 Länderspiele, 11 Tore, 3 Weltmeisterschaften

    fcr. · Blerim Dzemaili arbeitet an der WM in Katar als Experte des Tessiner Fernsehens – unter anderem an den Schweizer Spielen. Dem Fussballer des FC Zürich gefällt die lockere Ambiance bei RSI. Er ist knapp zwei Wochen in Katar, am nächsten Montag geht es beim FCZ mit dem Training weiter. Der 36-Jährige hat 69 Länderspiele für die Schweiz bestritten und 11 Tore erzielt. 2006 nahm er als 20-Jähriger ohne Einsatz an der WM in Deutschland teil, 2010 fehlte er verletzt, vier Jahre später in Brasilien wurde Dzemaili dreimal eingewechselt, 2018 in Russland war er Stammspieler. Er schoss 2 WM-Tore. Sein letzter Länderspiel-Einsatz war der verlorene WM-Achtelfinal gegen Schweden.

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