• https://www.nzz.ch/sport/die-gescheiteste-nummer-die-es-gibt-am-freitag-verstummt-das-sport-telefon-164-es-ist-das-ende-einer-aera-ld.1718898?reduced=true

    «Die gescheiteste Nummer, die es gibt»: Am Samstag verstummt das Sporttelefon 164 – es ist das Ende einer Ära

    Die Telefonnummer 164 versorgte Generationen von Schweizerinnen und Schweizern mit Sportinformationen. Einst wurde sie von Adolf Ogi gerettet.  

    Die schweizerisch-österreichische Filmikone Maximilian Schell sagte über die Kurzwahl 164 einmal: «Das ist die gescheiteste Nummer, die es gibt.» Schell, 2014 verstorben, war ein sportinteressierter und oscarprämierter Kosmopolit. Er wählte die 164 regelmässig, es war seine Verbindung zum Universum des Schweizer Sports, wenn er gerade wieder zwischen Wien und Los Angeles durch die Welt jettete.


    Wie ihm erging es Generationen von Schweizerinnen und Schweizern. Seit der Gründung im Jahr 1955 wählten Millionen von Menschen die Nummer, um zu erfahren, wer am Lauberhorn gewonnen hat oder ob Bruno Risi das Zürcher Sechstagerennen für sich entscheiden konnte. 164, schrieb der «Sport» einst, sei eine Tätowierung im Langzeitgedächtnis jedes Sportinteressierten.


    Auf einem meist dreiminütigen Band konnte sich aufdatieren lassen, wer nach Neuigkeiten gierte. Erst von Damen mit wohlklingenden Stimmen in Cadenazzo eingesprochen, später automatisiert per Computer.

    Flanieren in Havanna, aber Servette im Kopf: 164 bot Abhilfe

    Im Prä-Internet-Zeitalter war die dreisprachig angebotene 164 die praktisch einzige Möglichkeit, in Echtzeit zu kostbaren Informationen über Sportereignisse zu kommen: Ein Sportstakkato für all jene, die nicht warten wollten, bis am nächsten Morgen die Zeitung im Briefkasten lag. Und deren Fernseher noch über keinen Teletext verfügte. Oder die auch in der Ferne darüber sinnierten, was in der Nationalliga A wohl gerade passierte.


    Es war unerheblich, ob man frei von Sorgen in Havanna am Malecón entlangschlenderte. Ruhen konnte die Seele erst, wenn man wusste, dass Servette in der Heimat gegen Basel gewonnen hatte. Manchmal hatte man Pech und traf auf die Verkündung der Toto-Zahlen, die immer direkt nach den Fussballresultaten kamen. Dann musste man hektisch nach neuen Münzen für die Fernsprechanlage suchen, weil sich das Band nicht vorspulen liess.


    Der Service bescherte der PTT und später der Nachrichtenagentur Sportinformation während Jahren Traumrenditen, er war so lukrativ, dass die 164 phasenweise als Kopfsponsor bei Mitgliedern des Ski-Nationalteams auftrat. In den 1970er und 1980er Jahren lagen die Zugriffszahlen bei über zehn Millionen Anrufen. Entsprechend entschieden kämpfte die Sportinformation um den Erhalt der Kurzwahlnummer. Schon Mitte der 1990er Jahre sollte die 164 abgeschaltet werden, doch eine Intervention beim damaligen Kommunikationsminister Adolf Ogi brachte die Wende.

    Peter Frei, von 1989 bis 2009 Chefredaktor der Sportinformation, erinnert sich: «Ich kannte Ogi aus seiner Zeit als Direktor des Skiverbands. Er erkundigte sich gelegentlich auch nach dem Befinden der Sportnachrichtenagentur. Ich sprach bei ihm im Bundeshaus Ost vor und bat ihn, die Nummer 164 im Interesse des Sports weiterhin laufen zu lassen. Ogi erkannte als bester Sportkenner im ganzen Bundeshaus sofort die Bedeutung und fand mit dem ihm unterstellten Bundesamt für Kommunikation eine Lösung für den vorderhand weiteren Betrieb der Nummer. Solange mindestens sechs Millionen Anrufe pro Jahr eingingen, sollte dieser gewährleistet bleiben.»


    Diesen Wert erreicht die 164 schon lange nicht mehr. 2008 waren es noch 1,8 Millionen Anrufe und 2021 bemerkenswerte 221 000, zu 1 Franken 40 pro Minute. Die Nummer ist für den neuen Betreiber Keystone-SDA noch immer sehr rentabel, nicht zuletzt die Resultate von Skirennen sowie der Fussball- und Eishockeymeisterschaft werden weiterhin nachgefragt. Das ist erstaunlich in einem Land, in dem 2021 laut dem Bundesamt für Statistik 98 Prozent der Bevölkerung auf einem Mobiltelefon das Internet nutzten.

    Auch die «sprechende Uhr» muss weichen

    Doch zum Jahreswechsel verschwindet die Nummer für immer, nach der Revision des Fernmeldegesetzes ist es nicht mehr erlaubt, Informationsdienste via Kurznummern zu verbreiten, sie sind fortan für Notfalldienste reserviert. Neben der 164 muss auch die 161 zügeln, die offenbar ebenfalls immer noch rege genutzte «sprechende Uhr» der Swisscom.


    Aus der 164 wird die 0900 164 164. Sandro Mühlebach, der Leiter Content-Development bei Keystone-SDA, sagt: «Wir verfügen über eine sehr treue Kundschaft. Die Anzahl Anrufer ist noch immer beachtlich, deshalb haben wir uns dafür entschieden, das Angebot in unveränderter Form weiterzuführen. Der Nummernwechsel ist eine grosse Herausforderung, aber wir hoffen, dass die Kunden mitkommen.»

    Russki standart!!

  • Coole, bzw, lustige Erinnerungen, die auch aufzeigen, wie die Zeiten sich ändern.

    Wenn ich das Gejammer über Teletext oder Bargeld höre, wundere ich mich immer wieder, wer so alles nicht mit dieser Tatsache umgehen kann...

    Also genaugenommen: 2021 bemerkenswerte 221 000 Personen, zu 1 Franken 40 pro Minute und wahrscheinlich noch einmal soviele denen der Dienst einfach zuteuer ist :nick:

    Russki standart!!

  • Mini Schwiegermuetter zahlt Fr. 6.50 pro Monet meh fürs Internet, als sie müesste. Fr. 3.00 Papierrächnige, Fr. 3.50 Iizahlig am Poschtschalter.
    Und es isch nöd so, dass sie total schwer vo Begriff wär und niemer het, wo ihre würde säge, dass es au andersch gaht...

    Und sie fühlt sich glaub au nöd verfolgt. Nützt ja au alles nüt. Die wo i jedere Diskussion "nur Bares ist Wahres" here schriibed, tschägged au nöd, dass sie ihres Bargäld au bi de Bank müend uselah, wänn sie's nöd dihei unter de Matraze wend verschtecke.

  • Mini Schwiegermuetter zahlt Fr. 6.50 pro Monet meh fürs Internet, als sie müesste. Fr. 3.00 Papierrächnige, Fr. 3.50 Iizahlig am Poschtschalter.
    Und es isch nöd so, dass sie total schwer vo Begriff wär und niemer het, wo ihre würde säge, dass es au andersch gaht...

    Und sie fühlt sich glaub au nöd verfolgt. Nützt ja au alles nüt. Die wo i jedere Diskussion "nur Bares ist Wahres" here schriibed, tschägged au nöd, dass sie ihres Bargäld au bi de Bank müend uselah, wänn sie's nöd dihei unter de Matraze wend verschtecke.

    Ou Mann ich bruch es nois Versteck

    Russki standart!!

  • Danke! Von mir aus können sie im gleichen Atemzug noch den Teletext und den FAX beerdigen!
    Jetzt kann der Shitstorm über mich brechen weil ja noch gefühlte 3Mio. den Teletext benutzen, aus welchem Grund auch immer :nixwiss:

    Solange die App verfügbar bleibt - kein Problem.

    Ich gewinne laufend wetten gegen meinen Sohn und Kollegen, wenn es darum geht wie schnell man zu einer Tabelle im Fussball, die Hockey-Resultate

    und das allerwichtigste an Kurznews gelangt. Geile App, einfach in der Anwendung und ohne viel störende Werbung. Old school? Ja, aber solange

    ich mit dieser App schneller zu meinen gewünschten Daten gelange - tiptop.

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    Jep! Resultate, Tabellen, alles schnell ersichtlich! In der App, nicht (mehr) am TV!

  • Spielabbruch in der NFL - Bills-Profi Hamlin erleidet Herzstillstand

    Das Spiel zwischen den Cincinnati Bengals und den Buffalo Bills wird von einem schweren Zwischenfall überschattet.

    Heute, 07:23 Uhr

    Die Bills-Spieler bangen um ihren Teamkollegen.

    Geschockt Die Bills-Spieler bangen um ihren Teamkollegen. imago images/Zuma Wire/JP Waldron

    Footballprofi Damar Hamlin von den Buffalo Bills hat während der NFL-Partie bei den Cincinnati Bengals einen Herzstillstand erlitten und musste auf dem Feld reanimiert werden. Der 24-jährige Safety Guard wurde anschliessend ins Krankenhaus transportiert und dort in ein künstliches Koma versetzt. Die NFL gab bekannt, dass sein Zustand kritisch sei.

    Die Partie war zunächst für eine Stunde unterbrochen und wurde dann komplett abgebrochen. Nach einem Zusammenstoss mit Cincinnatis Wide Receiver Tee Higgins im ersten Viertel der Partie hatte Hamlin zunächst wieder auf den Beinen gestanden, ehe er nach hinten umfiel und reglos liegenblieb. Spieler beider Teams bildeten einen Kreis um ihn, die Ambulanz war umgehend an Ort und Stelle.

    Die Spieler schirmen ihren Teamkollegen Hamlin ab.

    Dramatische Szenen Die Spieler schirmen ihren Teamkollegen Hamlin ab. imago images/USA Today/Sam Greene

    Der dramatische Zwischenfall erinnerte an den Zusammenbruch des dänischen Fussball-Nationalspielers Christian Eriksen während des ersten Gruppenspiels der Dänen gegen Finnland bei der EM 2021. Eriksen war damals ebenfalls auf dem Platz reanimiert worden.

    Spielabbruch in der NFL - Bills-Profi Hamlin erleidet Herzstillstand
    Das Spiel zwischen den Cincinnati Bengals und den Buffalo Bills wird von einem schweren Zwischenfall überschattet.
    www.srf.ch

    Russki standart!!

  • Schweizer Athleten erzählen – Sind Skifahrer arme Schlucker? So lebt es sich im Weltcup
    Viele Skifahrerinnen und Skifahrer kämpfen um jede Einnahmequelle. Die Ausgaben sind hoch, das Preisgeld oft ein Witz. Wie überleben sie?
    www.tagesanzeiger.ch


    Sind Skifahrer arme Schlucker? So lebt es sich im Weltcup

    Viele Skifahrerinnen und Skifahrer kämpfen um jede Einnahmequelle. Die Ausgaben sind hoch, das Preisgeld oft ein Witz. Wie überleben sie?

    Es gab Tage, da kaufte sich Daniele Sette ein Ski-Billett, fuhr planlos den Berg hoch und bat eine Gruppe ausländischer Athleten, den einen oder anderen Trainingslauf mitfahren zu dürfen. Manchmal nahm er die Bohrmaschine gleich mit und steckte einen Kurs für sich selbst aus. Oft stand er vor einem Rennen bis nach Mitternacht in irgendeinem Keller und präparierte seine Ski.

    Sette, 168 Zentimeter, wurde lange von vielen übersehen. Während 12 Jahren war der Bündner als Ein-Mann-Betrieb unterwegs im Skizirkus. Ohne Physiotherapeut, ohne Servicemann, ohne Kaderstatus. Während andere in der Massage lagen, bettelte er um eine Trainingspiste. Während sich die Konkurrenten im Restaurant einen Dreigänger gönnten, ging er im Supermarkt einkaufen. Der Bündner war sein eigenes Heinzelmännchen: Er buchte Reisen, kaufte Material, vertrat sich an den Mannschaftsführersitzungen, drehte Videoblogs für seine Unterstützer.

    Im Sommer testete er nicht ausgiebig Ski, sondern arbeitete auf dem Bau und putzte Klinken, um Geld aufzutreiben. Er fuhr Rennen in Neuseeland, in Nordamerika, bis zu 50’000 Franken brauchte er pro Winter. Um Kosten zu sparen, lieh er sich alte Anzüge von Konkurrenten, schlief auch mal auf dem Sofa von Kollegen. Er wurde belächelt und als Paradiesvogel bezeichnet, schaffte es 2019 aber doch noch ins Swiss-Ski-Kader, mit 27 Jahren. Im Riesenslalom von Adelboden wird er am Samstag 23.

    In einem Kader zu sein, bedeutet Sicherheit. Doch lässt sich auch Geld verdienen? Wie geht es den Athletinnen im Ranglistenmittelfeld? Fragen und Antworten zum Leben als Skirennfahrer.

    Was wird bezahlt, wenn man im Kader ist?

    Er sei gefragt worden, ob er überhaupt weiterfahren könne, erzählt Slalomspezialist Ramon Zenhäusern. Der Walliser fiel auf diese Saison aus dem Nationalteam und wurde ins A-Kader versetzt. Auf die Gruppeneinteilung und Trainingsbedingungen habe das keinen Einfluss, sagt er, «nur finanziell ein bisschen».

    Sponsoren bezahlen oft nach Kaderzugehörigkeit unterschiedlich viel. Zudem übernimmt Swiss-Ski für Nationalteammitglieder – derzeit neun Athleten und sieben Athletinnen – ganz das Leasing der Autos, die vom Verband zur Verfügung gestellt werden. Je tiefer das Kader, desto höher der Anteil des Sportlers am Leasing. Auch stehen den Höchsteingestuften mehr Skikleider zu und ein besseres Handy-Abonnement. Neu bekommen sie für die Heimrennen Tickets, die sie ihren privaten Sponsoren weitergeben können. Die Unfallversicherung wird sämtlichen Kaderathleten bezahlt.

    A-Kader-Fahrerin Andrea Ellenberger sagt: «Ich finde, es geht innerhalb des Verbandes allen gut, vom C-Kader bis zum Nationalteam.» Trainer und Physiotherapeuten stehen zur Verfügung, auch Kost und Logis an den Rennen und in den Trainingscamps werden vom Verband übernommen. Daniele Sette sagt: «Wenn du nicht im Kader bist, musst du über alles nachdenken und selber zahlen. Hast du es ins Kader geschafft, wird für dich gedacht.»

    Was müssen Athletinnen dem Verband abgeben?

    Wer in einem Swiss-Ski-Kader ist, muss dem Verband den Athletenbetrag von 3000 Franken pro Saison entrichten. Auch von den Einnahmen des persönlichen Kopfsponsors geht ein Teil an den Verband. Je höher die Kader-Stufe, desto höher dieser Betrag.

    Riesenslalomfahrer Justin Murisier sagt es plakativ: «Ich wäre fast lieber im B-Kader als in der Nationalmannschaft.» Schliesslich kann auch ein starker B-Kader-Athlet in Weltcupgruppen trainieren, muss Swiss-Ski aber weniger bezahlen. «Ich verstehe dieses System aber schon», sagt Murisier, «wir haben als Junge auch davon profitiert.» Zudem kostet ein Kaderathlet Swiss-Ski pro Saison je nach Kaderstufe und abhängig von der Anzahl Disziplinen zwischen 75’000 und 240’000 Franken.

    Einen Lohn vom Verband kassieren die Sportlerinnen und Sportler nicht. Zusammen mit Hauptsponsor Sunrise schüttet dieser jedoch Erfolgsprämien aus – jährlich rund eine Million Franken über alle elf Sportarten hinweg, vom Skispringer bis zur Biathletin. Ein paar Franken zu verdienen gibt es für die Alpinen auch für Rang 30 im Weltcup sowie für Spitzenergebnisse im zweitklassigen Europacup.

    Bei Nachbar Österreich übrigens müssen die Athleten jeden Sponsoring-Deal offenlegen und einen Teil davon dem ÖSV abtreten. Allerdings werden sie von den Verbandssponsoren grösstenteils auch noch individuell unterstützt.

    Welche beruflichen Auslagen haben Kader-Athleten sonst?

    Swiss-Ski trägt den Grossteil der Reisekosten für Kaderzusammenzüge und für die Teilnahme an Wettkämpfen, für Upgrades bei Flügen müssen die Sportlerinnen und Sportler selbst aufkommen.

    Viele Athleten haben zudem private Konditionstrainer, die sie selbst bezahlen – wie der verletzungsgeplagte Murisier. Oft reist er zu diesem aus dem Wallis nach Neuenburg, die Benzinkosten summieren sich. «Ich investiere das ganze Jahr in meinen Sport», sagt er. Muss er ins oberbayrische Schliersee, um seinen jüngst operierten Rücken zu therapieren, «kosten mich vier Tage 4000 Franken». Mit 60’000 Franken pro Jahr käme er niemals durch, sagt Murisier.

    Besonders eng wurde es während der Zeit als Verletzter. Als Murisiers Kreuzband 2011 riss, war er versichert. Als er im Folgejahr wieder auf Schnee trainierte, ging es am vierten Tag erneut kaputt. Doch die Versicherung bezahlte keine Ausfallentschädigung mehr, weil es sich nicht um dieselbe Verletzung handelte. «Zum Glück wohnte ich bei meinen Eltern», sagt Murisier.

    Was bedeutet es, nicht in einem Kader zu sein?

    Plötzlich gab sich Swiss-Ski knausrig. Der Verband stellte Andrea Ellenberger noch eine einzige Skijacke zur Verfügung – und selbst diese nur leihweise. Als die Nidwaldnerin 2017 vom Rauswurf aus dem Kader erfuhr, war sie gerade am Rücken operiert worden. «Ich stand vor dem Nichts, hatte keinen Trainer mehr, keinen Servicemann, musste abklären, ob ich überhaupt noch Ski bekomme.»

    Ein paar Sponsoren blieben ihr treu, sie konnte zu Hause wohnen, der Freund, ein Skitrainer bei Swiss-Ski, gab seinen Job auf, um sie zu begleiten. Mit ihm flog sie im Sommer 2018 für sechs Wochen nach Südamerika. «All in» nennt es Ellenberger, die letzte Hoffnung. Dank des Siegs im Südamerika-Cup schaffte sie es ins Schweizer Europacupteam, aufgrund ihrer Trainingsleistungen bekam sie im Weltcup ihre letzte Chance – und nutzte sie. Heute gehört sie zum A-Kader sowie den Top 25 im Riesenslalom und hat vor allem dank regionalen Partnern ein stabiles Umfeld.

    Jahrelang auf sich allein gestellt war Daniele Sette. «Keiner schaut auf dich, keiner kümmert sich um dich», so umschreibt er das Leben ohne Kaderstatus. Es sei nur schon schwierig gewesen, überhaupt gewisse Rennen bestreiten zu dürfen. Kann sich ein Athlet für die drittklassigen FIS-Rennen selbst registrieren, erfolgt die Anmeldung für die Europa- und Weltcupbewerbe über den jeweiligen Landesverband. Dass diese ihre eigenen Schützlinge priorisieren, liegt auf der Hand.

    Es sei ein ständiger Überlebenskampf gewesen, erzählt Sette. «Ich musste jedes Skibillett selber zahlen, alles alleine organisieren.» Im Sommer sei er mehr Manager als Athlet gewesen, weil er Tausende Franken für die nächste Saison auftreiben musste. «Nach dem Winter war ich fix und fertig, nahe am Burn-out.»

    Wie relevant sind die Preisgelder?

    565’000 Franken fuhr Marco Odermatt in der letzten Saison ein, Aleksander Kilde, Mikaela Shiffrin und Petra Vlhova kassierten ebenfalls über 400’000. Es sind stolze Beträge, nur: Sechsstellig verdienten gerade mal 12 Männer und 14 Frauen.

    Justin Murisier belegte im Preisgeld-Ranking der FIS Platz 34. 34’266 Franken landeten auf seinem Konto, ein überschaubarer Betrag für die Weltnummer 14 im Riesenslalom. Der Walliser sagt, er habe jüngst mit Gino Caviezel über die Thematik geredet – nach dessen 4. Platz im Super-G von Beaver Creek. Caviezels Lohn? 7500 Franken. «Damit zahlt man den Business-Flug, auf den viele Athleten mit Verletzungsgeschichten angewiesen sind. Mehr nicht. Wir sind kein Produkt, sondern Menschen, die auch leben müssen», sagt Murisier.

    Auf diese Saison hin wurde das Preisgeld um zehn Prozent erhöht, auf 132’000 Franken pro Rennen. Eine Ausnahme bildet Kitzbühel, wo in den Abfahrten je 333’200 Franken ausgeschüttet werden. Unter den Geschlechtern herrscht Gleichberechtigung, den grossen Reibach aber machen nur die Besten. Für den Sieg gibt es in der Regel 50’000, für Platz 10 noch 2000 Franken.

    Dass die Preisgelder für die weniger erfolgreichen Fahrer maximal ein Tropfen auf den heissen Stein sind, verdeutlicht sich am Beispiel von Daniele Sette: Er hat in seiner Karriere ganze 10’525 Franken Preisgeld verdient

    Wie viel Wert hat das Kopfsponsoring?

    Die 50 Quadratzentimeter auf dem Helm sind die wichtigste Vermarktungsfläche und Einnahmequelle für die Profis. Die Bandbreite ist dabei riesig. Fahrerinnen und Fahrer, die sich regelmässig in den Top 3 klassieren, erhalten von ihrem Kopfsponsor jährlich mittlere sechsstellige Beträge, selbst die Millionengrenze wird von wenigen geknackt. Auch für Athleten, die sich in den Regionen zwischen den Rängen 15 und 30 einer Disziplin bewegen, kann es lukrativ sein – 60’000 Franken pro Jahr sind keine Seltenheit.

    Weitaus schwieriger wird es für Fahrer, die sich im Weltcup nicht in den Top 30 etabliert haben. Wer bei Swiss-Ski etwa im C-Kader ist, muss zufrieden sein, wenn er 10’000 bis 15’000 Franken erhält.

    Welche Einschränkungen gibt es im Privatsponsoring?

    Abgesehen vom Platz auf dem Helm gehört die gesamte Werbefläche dem Verband. Schliesst eine Fahrerin einen persönlichen Sponsoringvertrag ab, kann sie ihrem Partner keine Visibilität auf der Skijacke bieten. Erlaubt ist seit kurzem, im Training eine spezielle Startnummer zu tragen. Auf dieser müssen zwar die Partner des Verbandes ersichtlich sein, können aber auch persönliche Sponsoren präsentiert werden. Verbreitet werden die Bilder primär über Social Media.

    Eine andere Möglichkeit bietet die Trinkflasche, die in kaum einem Fernsehinterview mehr fehlt. Sie darf maximal einen halben Liter fassen. Auch Partner aus der Uhrenbranche können präsentiert werden, Lara Gut-Behrami, Corinne Suter, Michelle Gisin, Marco Odermatt – sie alle tragen unmittelbar nach den Rennen auffällig schmucke Exemplare. Unkompliziert ist die Suche nach Sponsoren aber nicht. Die Premium-Partner des Verbands dürfen nicht konkurrenziert werden, womit die Auto-, die Versicherungs-, die Telekommunikations-, die Banken- und die Energiebranche wegfallen.

    Ein Spezialfall ist Marco Odermatt. Auf der Website des Ausnahmefahrers ist mit Red Bull ein Hauptsponsor aufgeführt – hinzu kommen 19 Premium-Partner, 5 Ausrüster und 4 Supporter. Zu seinen Premium-Partnern gehören Sunrise, Descente, Raiffeisen, Reusch und Audi, Verbandssponsoren also, die mit Odermatt Einzelverträge abgeschlossen haben.

    Welche Einnahmequellen gibt es sonst?

    Der Ski-Ausrüster ist seit jeher wichtiger Geldgeber. Allerdings lag früher das Fixum höher, heute wird vor allem auf Erfolgsprämien gesetzt. Entsprechend schwierig ist es für Athletinnen ausserhalb der Top 15, einen lukrativen Kontrakt zu kriegen. Andrea Ellenberger sagt: «Es gibt Verträge, in denen Prämien festgelegt sind für Podestplätze. Den kann ich schon unterschreiben, nur habe ich nicht allzu viel davon.» Murisier sagt: «Heute muss man zur absoluten Weltspitze gehören, um mit der Ski-Firma gutes Geld zu verdienen. Früher reichte es, der Fünfzehnte einer Disziplin zu sein.» Derzeit darf ein solcher Fahrer mit einem fixen Betrag von rund 30’000 Franken rechnen. Von Stock- und Helmherstellern gibt es für den Durchschnittsweltcupfahrer längst nichts mehr.

    Vorwiegend jüngere Schweizer Talente werden durch die Stiftung «Passion Schneesport» und «Dr.-Heinz-Grütter-Jundt-Stiftung» unterstützt, Letztere entstand nach der medaillenlosen WM 2005 in Bormio. Auch die Sporthilfe engagiert sich, Technik-Spezialist Fadri Janutin hat zudem als einziger Alpiner eine Stelle als Zeitmilitär-Spitzensportler erhalten. Als Sportsoldat bezieht er ganzjährig 50 Prozent Lohn. Mittlerweile können sich die Alpinen aber auch mehrere WK-Wochen pro Jahr anrechnen lassen, in denen sie Erwerbsersatz erhalten.

    Können alle Athleten und Athletinnen im Weltcup Geld zur Seite legen?

    Fahrer wie Justin Murisier, die sich seit jeher in den Top 15 oder gar Top 7 einer Disziplin halten, können für gewöhnlich Geld sparen. «Ich zeige wieder gute Leistungen, war kaum mehr verletzt und brauche nicht mehr so viel Therapie, daher kann ich derzeit Geld auf die Seite tun», sagt der 30-Jährige.

    Seit der Aufnahme ins Kader ist auch Daniele Sette aus dem Gröbsten raus. Skifahren ist für ihn nun kein Minusgeschäft mehr, «eine Familie ernähren könnte ich mit meinem Verdienst aber sicher nicht. Zumal die Einnahmen der Sponsoren sehr unterschiedlich und nicht auf Jahre hinaus garantiert sind.»

    Wer sich mit Managern in der Szene unterhält, kommt zum Schluss, dass gerade Athletinnen und Athleten ausserhalb der Top 30 einer Disziplin deutlich mehr verdienen würden, wenn sie einer herkömmlichen Arbeit nachgehen würden. Es gibt denn auch welche, die im Sommer zumindest ein paar Wochen lang ihren erlernten Beruf ausüben, um zusätzliches Geld zu verdienen.

    Es gibt auch Fahrer, die auf Crowdfunding-Projekte setzen. Derweil Sette durch die Gemeinde St. Moritz und von vielen Gönnern unterstützt wird. Sicher ist: Die Schere zwischen Arm und Reich ist im Skisport seit der Jahrtausendwende grösser geworden.

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