Halbfinal vs. Biel

  • Peter Zahner nach dem Play-off-Aus der ZSC Lions: «Marc Crawford hat an den richtigen Schrauben gedreht»

    Der ZSC-Trainer Marc Crawford muss nicht um seinen Job bangen
    CEO Peter Zahner verteidigt den Trainerwechsel
    www.nzz.ch

    Peter Zahner nach dem Play-off-Aus der ZSC Lions: «Marc Crawford hat an den richtigen Schrauben gedreht»

    Der CEO der ZSC Lions stellt sich vor seinen Trainer und relativiert die Enttäuschung nach der Halbfinal-Niederlage. Er sagt: «Wir sind gegen einen sehr starken EHC Biel ausgeschieden.»

    Peter Zahner, die ZSC Lions sind im Halbfinal gescheitert. Was bleibt?

    Als Erstes eine grosse Enttäuschung. Doch gleichzeitig muss man neidlos anerkennen: Der EHC Biel hat hervorragend gespielt. Wahrscheinlich war er in dieser Serie in allen Belangen besser als wir. Doch ich kann nicht verhehlen, dass die Ernüchterung gross ist.

    Die ZSC Lions fanden während der ganzen Saison zu keiner richtigen Konstanz. Woran lag das?

    Die Saison war von Anfang an ein Kampf und ein Murks. Begonnen haben wir noch gut. Weil unsere Arena noch nicht bezugsbereit war, mussten wir mit acht Auswärtspartien in die Saison starten. Wir gewannen im Durchschnitt mehr als zwei Punkte pro Spiel und meisterten die Situation damit nicht schlecht. Doch danach ging die Tendenz in die falsche Richtung. Doch wenn Sie mich fragen, was nach dieser Saison bleibt, dann gibt es auch eine zweite Wahrheit. Wir gewannen die Meisterschaft bei der U-20-Elite, wurden bei den U-20-Top Meisterschaftszweiter und Dritter mit den U-17-Junioren, zudem errangen die Frauen den Meistertitel. Und die GCK Lions kamen in der Swiss League bis in die Halbfinals und hatten die beste Saison seit ihrem Bestehen. Auch diese Teams gehören zu unserer Organisation. Aber ich will nicht nach Ausreden suchen. Das Männer-Team ist unser Aushängeschild. Und sein Abschneiden erfüllte auch unsere eigenen Erwartungen nicht.

    Der Anspruch der Lions ist es, jedes Jahr den Final zu erreichen.

    Das stimmt so nicht. Unser Anspruch ist es, jedes Jahr um den Titel mitzuspielen. Und das haben wir auch in dieser Saison getan. Wir sind im Halbfinal gegen einen sehr starken EHC Biel ausgeschieden. Wir waren unter den letzten vier Teams. Alle sprechen heute von der ausgeglichenen Liga. Mindestens acht Klubs starteten mit der Ambition in die Saison, um den Titel mitzuspielen. Nur einer wird am Ende Meister.

    Im Dezember haben Sie versucht, mit dem Trainerwechsel von Rikard Grönborg zu Marc Crawford einen Impuls zu setzen. Das ist misslungen.

    Das sehe ich nicht so. Der Wechsel hat das bewirkt, was wir uns von ihm erhofft haben. Ich will jetzt nicht schmutzige Wäsche waschen und auf Rikard Grönborg zielen. Aber er hat in den dreieinhalb Jahren, die er in Zürich war, einen einzigen jungen Spieler (Willy Riedi, die Red.) aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft integriert. Crawford war in den ersten Wochen in Zürich an mehreren Spielen der GCK Lions und setzte damit ein Zeichen: «Seht her: Wir interessieren uns für das, was ihr tut, und es ist für euch möglich, ins A-Team aufzusteigen.» Wir haben den Trainer nicht nur aus sportlichen Gründen gewechselt, sondern weil wir Gefahr liefen, unsere DNA zu verlieren. In diesem Bereich hat Marc Crawford die Erwartungen erfüllt.

    Haben Sie rückblickend zu lange zugewartet mit dem Trainerwechsel?

    Es gab Stimmen, die drängten bereits im Frühjahr auf einen Wechsel, nachdem wir im Final gegen Zug eine 3:0-Führung verspielt hatten. Doch ich hatte Respekt vor dem Saisonstart. Niemand konnte mit abschliessender Sicherheit sagen, ob wir wegen der Bauprobleme in unserer neuen Arena die ersten 8 oder vielleicht sogar die ersten 13 Partien der Saison auswärts würden bestreiten müssen. Die Gefahr bestand, dass wir auf Platz 9 oder gar 12 nach Altstetten umziehen. Der Trainer wäre sofort unter Druck gestanden.

    Marc Crawford hat einen noch zwei Jahre weiterlaufenden Vertrag. Darf er den erfüllen?

    Der Trainer ist überhaupt kein Thema. Marc Crawford begann seinen Job in einer äusserst intensiven Wettkampfphase mit 13 Spielen im Januar, in der er nur wenig Zeit hatte, seine Ideen zu verwirklichen. Marc Crawford hat für mich an den richtigen Schrauben gedreht. Auch für ihn war die Situation nicht einfach.

    Wofür sollen die ZSC Lions stehen?

    Wir sind ein Sportunternehmen, das sich am sportlichen Erfolg orientiert. Nun aber haben wir als Stadionbetreiber noch ein zweites Unternehmen. Gleichzeitig ist es unser Ziel, junge Spielerinnen und Spieler auszubilden und an das Top-Niveau heranzuführen. Als wir uns vor knapp vier Jahren am Flughafen Zürich erstmals mit Rikard Grönborg trafen, sagten wir ihm, es sei uns ein Anliegen, den Nachwuchs zu fördern und zu integrieren. Er sagte uns damals, genau das habe er als Angestellter des schwedischen Verbandes auch von den Klubs verlangt. Dass Grönborg ausgerechnet diesen Anspruch bei uns nicht erfüllt hat, war für mich die grösste Enttäuschung in der Zusammenarbeit mit ihm.

    Sie werben mit dem Slogan «Wir sind Züri» und bezeichnen Ihre Organisation auf der Lions-Website als «grosse Familie». Gleichzeitig sagten Sie Simon Bodenmann zuerst, es habe für ihn im Team der nächsten Saison keinen Platz mehr, änderten diese Meinung aber, nachdem es zu Fan-Protesten gekommen war. Wie passt das zum Bild der grossen, glücklichen Familie?

    Eine Mannschaft zu erneuern, ist eine der schwierigsten Aufgaben, die es im Teamsport gibt. Wir haben mit Reto Schäppi, Patrick Geering, Chris Baltisberger, Denis Hollenstein oder Simon Bodenmann einige Spieler, die um die 30 oder bereits darüber sind. Wir müssen jüngere Spieler integrieren und für sie Platz schaffen. Bei jeder Vertragsverlängerung stellt sich die Frage, ob wir mit diesem Spieler in der kommenden Saison besser oder weniger gut sind. Bei Simon Bodenmann kamen wir zur Überzeugung, dass er uns immer noch sehr helfen kann, und änderten die Meinung deshalb.

    In der Kritik steht nun auch der Sportchef Sven Leuenberger. Zu Recht?

    Wenn man keinen Erfolg hat, dann bietet man immer Angriffsfläche. Noch einmal: Wir haben nicht die Play-offs verpasst, sondern sind im Halbfinal an einem sehr guten Gegner gescheitert. Ich glaube sagen zu dürfen, dass wir in den vergangenen zehn Jahren eine der konstantesten Organisationen der Liga waren. Aber auch wir sind mit dem Ausgang der Halbfinalserie gegen Biel nicht zufrieden. Nun gönnen wir uns ein, zwei Tage Ruhe. Bereits über Ostern beginnen die Gespräche mit den Spielern und dem Staff. Wir ziehen nicht zwölf Stunden nach dem Play-off-Out Bilanz. Wir haben nun viel Zeit – leider.

    Von aussen wird immer wieder das Gerücht kolportiert, Leuenberger sei in seinen Entscheidungen nicht frei. Zu viele würden mitsprechen.

    Ich weiss nicht, woher solche Gerüchte kommen. Sie stimmen nicht. Der Sportchef hat ein Budget, das ihm den Rahmen vorgibt. Eine Carte blanche aber gibt ihm das nicht. Viele seiner Entscheidungen haben einen Einfluss auf die ganze Organisation. Deshalb finde ich es wichtig, gewisse Fragen gemeinsam anzugehen und Entscheide zu hinterfragen. Ich bin der Überzeugung, dass wir ein Team um die Schweizer Spieler herum aufbauen müssen. Hier ist der Markt beschränkt. Wenn man weiss, welche Schweizer man hat, kann man die Mannschaft mit Ausländern komplettieren.

    Bereits wird über die Rückkehr von Denis Malgin spekuliert, dessen Vertrag in Colorado ausläuft. Fallen Sie da nicht ins alte Schema zurück, indem Sie versuchen, Fehler und Mängel mit zusätzlichen Investitionen zu korrigieren?

    Erstens hat Denis Malgin bei uns noch einen Vertrag und kann deshalb ausserhalb der NHL in keinem anderen Team spielen.Zweitens ist er erst 26 Jahre alt und damit im besten Eishockey-Alter. Und drittens ist er ein Spieler, der in unserer Organisation gross geworden ist und den wir deshalb auch zu uns zurückholen möchten. Kritische Fragen müsste man uns stellen, wenn wir uns nicht um Denis Malgin bemühen würden.

  • Da haben wir den Salat. Für den CEO reicht es im Grunde wenn die gesamte Organisation funktioniert. Hier lese ich kaum Selbstkritik..

    Ein Schöngeschwätze, ja.

    Da wundert es mich nicht, dass die (wieder einmal) angekündigte, schonungslose Analyse unserer Führung keine wirklichen Konsequenzen nach sich ziehen wird.

    SL meinte ja, Biel sei 5 gegen 5 nicht besser gewesen. :nixwiss: :oh_no:

  • Ein Schöngeschwätze, ja.

    Da wundert mich auch nicht, dass die (wieder einmal) angekündigte, schonungslose Analyse unserer Führung keine wirklichen Konsequenzen nach sich ziehen wird.

    SL meinte ja, Biel sei 5 gegen 5 nicht besser gewesen. :nixwiss: :oh_no:

    Finde die von SL zeigt schon die Probleme auf. Ob man jetzt bei 5 gegen 5 so oder so war.

  • Finde die von SL zeigt schon die Probleme auf. Ob man jetzt bei 5 gegen 5 so oder so war.

    Ja, okay, das macht er schon. Die sind für mich aber Symptome.

    Ich finde, dass v.a. die Analyse der NZZ die Ursachen der Probleme aufzeigt: der Konservatismus, die Unfähigkeit oder Unwilligkeit Neues auszuprobieren.

    Wir haben jetzt eine topmoderne Infrastruktur, aber ein Steinzeitmanagement. Ich höre jetzt nicht zum ersten Mal, dass sich der Z im sportlichen Bereich allen Modernisierungen entgegenstellt. Darum hat man eifach auch nur einen Kraftraum hingestellt und alles andere (Neue), das man heute so braucht/nutzt für die Spielerentwicklung und -betreuung, weggelassen.

    Das wird sich aber nicht ändern, denn Walti F ist stockkonservativ, der CEO (sehr) konservativ und der Sportchef ist mMn auch nicht dafür bekannt erwas zu wagen.

    Edited 4 times, last by Vladi19 (April 7, 2023 at 1:06 PM).

  • Ja, okay, das macht er schon. Die sind für mich aber Symptome.

    Ich finde, dass v.a. die Analyse der NZZ die Ursachen der Probleme aufzeigt: der Konservatismus, die Unfähigkeit oder Unwilligkeit Neues auszuprobieren.

    Wir haben jetzt eine topmoderne Infrastruktur, aber ein Steinzeitmanagement. Ich höre jetzt nicht zum ersten Mal, dass sich der Z im sportlichen Bereich allen Modernisierungen entgegenstellt. Darum hat man eifach auch nur einen Kraftraum hingestellt und alles andere (Neue), das man heute so braucht/nutzt für die Spielerentwicklung und -betreuung, weggelassen.

    Das wird sich aber nicht ändern, denn Walti F ist stockkonservativ, der CEO (sehr) konservativ und der Sportchef ist mMn auch nicht dafür bekannt erwas zu wagen.

    Das ist sicherlich ein Grund ja.

  • [quote='Blackstar','https://forum.zscfans.ch/thread/2912-halbfinal-vs-biel/?postID=161296#post161296']

    Da haben wir den Salat. Für den CEO reicht es im Grunde wenn die gesamte Organisation funktioniert. Hier lese ich kaum Selbstkritik..

    [/quote]

    Typischer Politiker !

  • Da haben wir den Salat. Für den CEO reicht es im Grunde wenn die gesamte Organisation funktioniert. Hier lese ich kaum Selbstkritik..

    Siehste, genau so ist es wieder mal wie befürchtet. In Fachkreisen nennt man einen solchen CEO "Hülse".
    Wobei sich dies bei ihm nicht auf den Bau des Stadions bezieht (dies war ein Meisterstück), sondern auf die sportliche Führung des Vereins.

  • Was erwartet ihr 2 Tage nach Saisonende? Und ja, die gesamte Organisation besteht nicht nur aus der 1 Mannschaft, obwohl dass für viele hier im Forum so ist. Ich finde jetzt den ersten Ansatz von Crawford mir den jungen gut. Sind wir Nörgler denn bereit vielleicht mal 2 bis 3 Jahre in junge zu investieren mit der Gefahr dass der sportliche Erfolg erst mal ausbleibt?

  • Sind wir Nörgler denn bereit vielleicht mal 2 bis 3 Jahre in junge zu investieren mit der Gefahr dass der sportliche Erfolg erst mal ausbleibt?

    Ich wär schon froh wenn wir bis nach Ostern warten mit dem Analyse Bashing. Die Interviews waren irgendwie 12 Stunden nach dem Ausscheiden?!

  • Welcher dieser aufgezählter Namen ist um Himmelswillen ein Topshot? Frust ist ja gut und recht, wenn uns Talente verlassen die explodieren. Aber diese vermeintliche Explosion bleibt zu 99% aus. Hier von Topshots zu Reden ist doch ein Witz. Cervenka war damals praktisch unter der Erde, den hätte kaum jemand ausser eben der aufgestiegene SRCJ geholt. Wenn ich lese, dass sich ein Simic top entwickelt hat. Ja dann ist es wirklich höchste Zeit, seine Sportinteressen und Fachwissen zu hinterfragen.

    Du kennst Blackstar noch nicht gut genug. Das war Ironie ...

  • Welcher dieser aufgezählter Namen ist um Himmelswillen ein Topshot? Frust ist ja gut und recht, wenn uns Talente verlassen die explodieren. Aber diese vermeintliche Explosion bleibt zu 99% aus. Hier von Topshots zu Reden ist doch ein Witz. Cervenka war damals praktisch unter der Erde, den hätte kaum jemand ausser eben der aufgestiegene SRCJ geholt. Wenn ich lese, dass sich ein Simic top entwickelt hat. Ja dann ist es wirklich höchste Zeit, seine Sportinteressen und Fachwissen zu hinterfragen.

    Oh mann.....

    Das war ein WITZ von Blacky. Kannst weitermachen beim Eierfärben.

  • Welcher dieser aufgezählter Namen ist um Himmelswillen ein Topshot? Frust ist ja gut und recht, wenn uns Talente verlassen die explodieren. Aber diese vermeintliche Explosion bleibt zu 99% aus. Hier von Topshots zu Reden ist doch ein Witz. Cervenka war damals praktisch unter der Erde, den hätte kaum jemand ausser eben der aufgestiegene SRCJ geholt. Wenn ich lese, dass sich ein Simic top entwickelt hat. Ja dann ist es wirklich höchste Zeit, seine Sportinteressen und Fachwissen zu hinterfragen.

    War ironisch gemeint..

  • [quote='Larry','https://forum.zscfans.ch/thread/2912-halbfinal-vs-biel/?postID=161193#post161193']

    Ende und aus!

    Wie auch für mich hier.

    25 Jahre «Nörgelforum» sind genug!

    Der Gründe sind viele.

    Man sieht sich im RL, viele Bekanntschaften der ersten Stunde sind geblieben.

    Einige, auch solche erst aus den letzten Jahren, sind neu dazugekommen.

    Tschau zäme!

    [/quote]

    Reto und Du sind für mich die Kapitäne von zscfans.ch

    Auch wenn ich natürlich weiss, dass viele weitere Z-Fans diese Page bereit über Jahrzehnte unterstützen.

    Ich verstehe deinen Rücktritt zu 100%, wenn es dafür private Gründe gibt 🤙

    Ansonsten gilt die Tatsache…die Kapitäne verlassen das Schiff erst beim Sinken…bis dahin bleiben sie omnipräsent auf der Brücke 😉


    Gesendet von iPhone mit Tapatalk

  • [quote='Reto','https://forum.zscfans.ch/thread/2912-halbfinal-vs-biel/?postID=161329#post161329']

    Haha. Er liest doch eh nicht mehr mit. Oder etwa doch? ;)

    [/quote]

    so krass 😳 wirklich schade…


    Gesendet von iPhone mit Tapatalk

  • https://www.tagesanzeiger.ch/wir-rieben-uns…uf-932279728131

    Kann jemand den Artikel rauskopieren und posten?

    «Wir rieben uns mit dem Trainer die letzten zwei Jahre enorm auf»

    Peter Zahner spricht nach dem Halbfinal-Aus der ZSC Lions über die turbulente Saison, das Missverständnis Rikard Grönborg und den Zuschauerboom im neuen Stadion.

    Wie haben Sie das 0:4 im Halbfinal gegen Biel verdaut?

    Verdaut habe ich es noch nicht. Die Enttäuschung ist immer noch da und wird noch einige Zeit bleiben. Aber die Bieler waren einfach viel besser, in allen Bereichen. Ich hatte das Gefühl, sie sind auf einer Mission. Sie sind unglaublich solidarisch unterwegs. Ob das mit Antti Törmänen zu tun hat oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Aber sie waren extrem kompakt und weitgehend fehlerfrei. Ich will unsere Leistung nicht beschönigen. Aber man sollte dem Gegner auch Respekt zollen. Biel war einfach sehr, sehr gut.

    Dass die ZSC Lions derart unterlegen waren, muss Sie aber schon geschmerzt haben.

    Mir fielen zwei Dinge auf: Ich hatte das Gefühl, Biel flog übers Eis. Jeder Spieler war gegenüber der Qualifikation nochmals fünf Stundenkilometer schneller und fünf Zentimeter grösser. Und wir handelten uns viel zu viele unnötige Strafen ein. Mit sechs Ausländern hat inzwischen jedes Team zwei gute Powerplay-Formationen. Biel sowieso mit seinen guten Schweizer Spielern. Und wenn du dir solche Strafen einhandelst, weit weg vom eigenen Tor, ein Haken, ein Stockschlag oder ein Crosscheck in die Bande, wird es schwierig.

    Wieso waren die Bieler so viel schneller unterwegs als die Zürcher?

    Ich glaube, das hat mit unserer Saison zu tun. Wir hatten einen Start mit acht Auswärtsspielen, dadurch hatten wir anfangs relativ wenige Spiele. Und weil wir Spiele nachholen mussten, hatten wir im Januar in 31 Tagen 13 Spiele. Und das unmittelbar nach unserem Trainerwechsel. Marc Crawford forderte zudem eine höhere Intensität im Training, dann kamen noch einige Verletzungen dazu. Ich hatte das Gefühl, am Schluss fehlte uns auch die Energie.

    Die ZSC Lions haben seit 2018 keinen Titel mehr gewonnen. Genügt das dem Anspruch dieser Organisation?

    Wie viele Teams haben seitdem den Titel gewonnen?

    2019 Bern, 2021 und 2022 Zug. 2023 steht noch aus.

    Richtig. Es gibt in dieser Liga mittlerweile mindestens neun Teams, die den Titel zum Ziel haben. Also gibt es viele Enttäuschte. Wir waren in den letzten drei Jahren zweimal im Halbfinal und einmal im Final. Das ist in der Summe nicht schlecht. Aber wir wurden nicht Meister. Wenn ich die Kritiken lese, habe ich das Gefühl, wir hätten auf der ganzen Linie versagt. So ist es nicht. Zudem wurden wir mit der U-20 Meister, mit der U-17 Dritte, die Frauen wurden Meister, die GCK Lions spielten die beste Saison überhaupt. Auch diese Teams gehören zu unserer Organisation. Andere ambitionierte Clubs kamen weder in der National League noch bei den Junioren U-17 und U-20 ins Playoff.

    Wenn Sie von den Junioren reden: Die ZSC Lions bauten zuletzt über Jahre keine eigenen Jungen in der ersten Mannschaft ein. Das ist kein Ruhmesblatt.

    Wir konnten es dem Trainer nicht befehlen. Rikard Grönborg hatte zehn Jahre beim schwedischen Verband gearbeitet, unter anderem als Ausbildner. Er war Headcoach der Junioren-Nationalteams gewesen. Als wir uns vor vier Jahren erstmals mit ihm trafen, war die Juniorenförderung ein grosses Thema. Aber sie wurde nicht umgesetzt. Der einzige eigene Spieler, der unter Grönborg den Sprung in die erste Mannschaft schaffte, war Willy Riedi. Wir rieben uns deshalb mit dem Trainer die letzten zwei Jahren enorm auf.

    Wieso können Sie ihm nicht befehlen, die Clubphilosophie umzusetzen?

    Grönborg hat sich die Spiele der GCK Lions zu Hause am Laptop angeschaut und nicht im Stadion. Doch das ist nicht das Gleiche. Die jungen Spieler merken sehr wohl, ob der ZSC-Coach im Stadion ist oder nicht. Das war einer der Gründe, weshalb wir uns von Grönborg trennten. Förderung und Integration unserer jungen Spieler ist Teil unserer DNA. Kaum war Crawford da, schaute er sich alle möglichen Spiele unseres Farmteams und der Junioren an, bot er Junge fürs Training auf und gab ihnen in der ersten Mannschaft eine Chance.

    Quote
    «Wir wurden Dritte und waren im Final. Wenn wir danach den Trainer entlassen hätten, hätten das viele nicht verstanden.»

    Wieso wurde bei Grönborg so lange zugeschaut?

    Wir wurden letzte Saison Dritte in der Qualifikation und waren im Final. Wenn wir danach den Trainer entlassen hätten, hätten das viele nicht verstanden. Zudem hatten wir Respekt davor, dass wir die neue Saison mit vielen Auswärtsspielen beginnen mussten. Das wäre ein schwieriger Start gewesen für einen neuen Trainer. Kommt dazu, dass heute fast jeder Trainer seine eigene Crew mitbringt. Wir mussten ja nicht nur Grönborg entlassen, sondern auch den Assistenten und den Videocoach. Deshalb musst du dir das gut überlegen. Aber als die Tendenz im Dezember in die falsche Richtung ging, hatten wir keine andere Wahl mehr.

    Crawford schaffte den Turnaround nicht. Wieso nicht?

    Es war für ihn extrem schwer. Er hatte in gut drei Monaten 31 Spiele, da blieb nicht genügend Zeit, um seine Spielkultur zu implementieren. Wir wussten, wir gehen mit dem Trainerwechsel ein Risiko ein. Aber wir befürchteten, dass wir das Playoff verpassen würden, wenn es so weitergeht. Und dass alle unsere jungen Spieler abwandern.

    Wie beurteilen Sie die Leistung von Sportchef Sven Leuenberger?

    Mir greift es zu kurz, eine Person zum Sündenbock machen. Für Sven war es auch nicht einfach. Wir haben bereits mit der Analyse begonnen, nächste Woche folgen die individuellen Gespräche mit den Spielern und den Coachs.

    Zürich bietet eine hohe Lebensqualität, nun haben die ZSC Lions mit der neuen Halle eine perfekte Infrastruktur. Geht es den Spielern zu gut, um so richtig hungrig zu sein?

    Man kann uns sicher nicht vorwerfen, wir hätten eine zu gute Infrastruktur auf die Beine gestellt. Und ja, Zürich ist sehr lebenswert. Dafür sind wir alle dankbar. Das ist für einen Spieler, der in die Schweiz kommt, auch attraktiv. Ich glaube nicht, dass unsere guten Rahmenbedingungen negative Auswirkungen haben auf die Leistungen der Spieler.

    Quote
    «Immer wieder wird gesagt, wir hätten ein Luxuskader. Aber hat Biel ein schlechteres Kader als wir? Lausanne? Lugano? Bern? Zug? Genf? Davos?»

    Was man nicht von der Hand weisen kann: Die Dominanz der Big 3, von Davos, Bern und den ZSC Lions, ist endgültig vorbei.

    Das ist so. Ich wurde jeweils belächelt, wenn ich von einer ausgeglichenen Liga sprach. Nun ist das nicht mehr von der Hand zu weisen. Viel mehr Teams investieren viel mehr Geld. Was Lausanne alles investiert und mit seiner neuen Halle bieten kann, wow! Fribourg hat sein Budget massiv erhöht. Wenn du Erfolg haben willst, musst du heute sehr gut arbeiten. Immer wieder wird gesagt, wir hätten ein Luxuskader. Aber hat Biel ein schlechteres Kader als wir? Lausanne? Lugano? Bern? Zug? Genf? Davos? In den ersten drei Blöcken gibt es kaum mehr Unterschiede zwischen den Teams. Höchstens noch im vierten Block und dahinter.

    Inwiefern hat die Erhöhung auf sechs Ausländer da mitgespielt?

    Sie hat die Ausgeglichenheit ganz klar verschärft. Und ich bin überzeugt, die A-Nationalmannschaft wird dadurch besser. Es sind nicht nur mehr Ausländer gekommen, auch ihr Niveau hat sich erhöht, und die Schweizer Nationalspieler sind dadurch noch mehr gefordert. Davon profitieren sie.

    Sie klingen wie ein Befürworter der Erhöhung der Ausländer. Dabei waren Sie doch der Kämpfer dagegen.

    Richtig. Ich war gegen eine drastische Erhöhung. Aber die aktuelle Lösung finde ich okay. Faktisch hat sich ja nichts geändert. Bei 12 Teams haben wir vier Ausländer, bei 13 haben wir fünf, bei 14 deren sechs. Wenn die Liga also wieder auf 12 Teams reduziert wird, haben wir wieder den Status quo.

    Aber das wird nicht passieren.

    Da haben Sie recht. Weil jeder Club Angst davor hat, dass es ihn treffen könnte. Wenn es dumm läuft, kann jedes Team absteigen. Deshalb wird eine Reduktion der Liga keine Mehrheit finden. Die Liga wird nur kleiner, wenn sich ein Team freiwillig zurückzieht.

    Quote
    «Wir haben in der Gastronomie unglaubliche Werte erzielt. Über die ganze Saison machten wir über zwölf Millionen Franken Umsatz.»

    Die ZSC Lions erzielten in der ersten Saison in der Swiss-Life-Arena einen Schnitt von über 11’500 Zuschauern. Hätten Sie das erwartet?

    Nein. Der Schnitt war massiv über den Erwartungen. Im Businessplan hatten wir eine Zuschauerzahl von 9500 eingesetzt. Unsere Spiele waren fast immer ausverkauft, wir haben in der Gastronomie unglaubliche Werte erzielt. An guten Abenden machten wir bis zu 300’000 Franken Umsatz. Über die ganze Saison machte unser Gastrobereich über zwölf Millionen Franken Umsatz. Die Gastronomie ist hervorragend, die Zuschauerzahlen sind es auch, Sorgen bereitet mir aber, dass wir für die Spiele aufgrund der vielen Ein- und Ausgänge zu viel Personal brauchen. Den Betrieb müssen wir noch optimieren.

    Brauchen die ZSC Lions den sportlichen Erfolg überhaupt?

    Ja, wir brauchen den sportlichen Erfolg unbedingt. Das Zürcher Publikum ist wählerisch. Aber kurzfristig erwarte ich keinen Einbruch bei den Zuschauerzahlen. Wir stoppten den Verkauf von Saisonkarten bei 8500, das werden wir auch nächste Saison so tun. Und noch längst nicht alle haben unser Stadion gesehen. Für den Business-Club haben wir eine Warteliste. Da werden wir sicher ohne grössere Probleme ausverkaufen.

    Waren die 12’000 Plätze vielleicht sogar zu konservativ kalkuliert?

    Nein. Ich habe lieber 12’000 Plätze und immer ein gut gefülltes Stadion als 15’000 Plätze und eine Halle, die gefühlt halb leer ist.

    Sind die ZSC Lions auf andere Events angewiesen?

    Absolut. Die sind extrem wichtig für uns. Wir brauchen Drittevents ausserhalb des Eishockeys und sind gerade in Erarbeitung eines neuen Vermarktungskonzepts für die Eisvermietung und für Drittevents. Solche Events brauchen wir.

    Quote
    «Die Swiss Indoors waren nie ernsthaft ein Thema. Beim ersten Gespräch merkte ich, dass es nur darum geht, Druck zu machen in Basel.»

    Wie sieht es mit anderen Sportveranstaltungen aus? Sind die Swiss Indoors noch ein Thema?

    Nein. Die waren auch nie ernsthaft ein Thema. Bereits beim ersten Gespräch merkte ich, dass es den Swiss Indoors nur darum geht, Druck zu machen in Basel. Aber natürlich sind wir offen für Sportevents aller Art. Der Super-10-Kampf ist ein Thema, Art on Ice, E-Gaming, wir sind interessiert an einem NHL-Spiel, die Euro Hockey Tour gastiert im Dezember bei uns. Wir sind in Kontakt mit diversen Sportverbänden und arbeiten neu auch mit Zürich Tourismus zusammen. Ende April findet bei uns die erste Generalversammlung statt. Wir sind offen für alles, was auf diesen 1800 Quadratmetern möglich ist. Aber klar ist: Das Eishockey hat Priorität.

    Konzerte sind nach wie vor nicht erlaubt?

    Nein, nur in Ausnahmefällen. Wenn das Hallenstadion besetzt wäre.

    Wann können die ZSC Lions dank der Swiss-Life-Arena eine schwarze Null erwirtschaften?

    Das wird in den ersten ein, zwei Jahren nicht möglich sein. So sieht das auch der Businessplan vor. Wir sind erst seit Oktober in der Halle, innert des ersten Jahres wollen wir den Betrieb und die Betriebskosten optimiert haben. Es war ein Kaltstart. Am Anfang hat vieles nicht funktioniert. Aber unsere Lernkurve war sehr steil. Da bin ich unglaublich stolz auf unsere Mitarbeiter.

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