• us de woz vom 01.04.2021

    KATAR: DAS KAFALA-SYSTEM

    Gefangen in einem Kreislauf des Missbrauchs


    Tausende ArbeitsmigrantInnen sind in den vergangenen Jahren im Emirat Katar gestorben. Trotz diverser Reformzusagen werden die ArbeiterInnen weiterhin ausgebeutet.

    Von Cigdem Akyol

    Madhu Bollapally liess seine Frau und seinen Sohn 2013 in Indien zurück, um einen Job in Katar anzunehmen. Sie sollten ihn nie wieder sehen. Sein Mitbewohner fand eines Nachts im Jahr 2019 Bollapallys Leiche auf dem Zimmerboden. In seine Sterbeurkunde wurde die Diagnose Herzversagen eingetragen, wie der britische «Guardian» schrieb. Bollapallys Familie kann sich das nicht vorstellen – er sei doch immer gesund gewesen, sagten sie der Zeitung. Auch Mohammad Shahid Miah aus Bangladesch verstarb im vergangenen Jahr in seiner Unterkunft in Katar. Heftiger Regen war in sein Zimmer gesickert. Als Miah auf den nassen Boden trat, erlitt er einen tödlichen Stromschlag.

    Bollapally und Miah sind zwei von rund 6500 ArbeitsmigrantInnen, die im Emirat gestorben sind, seitdem das Land vor zehn Jahren den Zuschlag für die Austragung der Fussballweltmeisterschaft erhalten hat; das wurde im Februar durch den «Guardian» enthüllt. Die JournalistInnen stützen sich auf Regierungsdaten. Sie gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Toten sogar deutlich höher ist. Denn gezählt wurden nur die Verstorbenen aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka – es arbeiteten aber auch Menschen aus anderen Ländern in Katar, etwa von den Philippinen oder aus Kenia. Hinter den 6500 stehen zurückgelassene Familien, die nicht nur einen Angehörigen, sondern oftmals auch ihren Hauptverdiener verloren haben. Meist wird der Tod auf Herz- oder Atemversagen zurückgeführt, für den «Guardian» ein Hinweis darauf, dass die Fälle einfach nicht untersucht worden sind.

    Rund zwei Millionen ArbeitsmigrantInnen halten sich derzeit in Katar auf, sie machen laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) 95 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung des Wüstenstaats aus. Viele arbeiten im Dienstleistungssektor, etwa als Hausangestellte, oder sie bauen die Infrastruktur für die Fussballspiele auf: Hotels, Stadien und Strassen – eine neue Stadt, in der am 18. Dezember 2022 das Weltmeisterschaftsfinale stattfinden soll. Katar setzt die ArbeitsmigrantInnen zudem für den Ausbau der U-Bahn und des Flughafens ein. Den ausländischen ArbeiterInnen stehen 300 000 Kataris gegenüber. MenschenrechtlerInnen vergleichen die Situation mit dem Apartheidsystem, denn die ausländischen ArbeiterInnen haben kaum Rechte.

    Kleine Erbmonarchie

    Seinen Reichtum verdankt das Emirat Katar vor allem Öl- und Gasreserven, aber auch der systematischen Ausbeutung von ArbeitsmigrantInnen. Geschichten von Misshandlungen, Lohnprellungen, sklavereiähnlichen Zuständen wie etwa der Abnahme der Pässe sind seit Jahrzehnten bekannt. Katar ist eine absolute Monarchie. Der Emir, Tamim bin Hamad al-Thani, hat Legislative und Exekutive inne, es gibt weder ein Parlament noch Gewaltenteilung oder freie Meinungsäusserung. Homosexualität wird mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. Trotzdem erhielt das Königreich 2010 von der Fifa den Zuschlag für die Ausrichtung der Fussballweltmeisterschaft 2022. Bis heute ermitteln Staatsanwaltschaften wegen des Verdachts auf Korruption bei der Vergabe.

    Katar verspricht sich durch Sportgrossveranstaltungen einen Imagegewinn. So wurden unter anderem 2018 die Weltmeisterschaft im Turnen und 2019 jene der Leichtathletik dort veranstaltet. Seit 2008 wird an der «Qatar National Vision 2030» gearbeitet, einem Entwicklungsplan, der das Landesimage bis 2030 als sozial, gesellschaftlich und ökonomisch fortschrittlich aufpolieren soll. Aber es geht auch um geopolitische Sicherheit. Denn in Katar ist die Sorge gross, dass der Rivale Saudi-Arabien eines Tages mit seinen Truppen einmarschieren könnte. Seit Jahren gibt es Konflikte zwischen Doha und den Nachbarstaaten, es geht um die regionale Vormachtstellung. So hatten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Saudi-Arabien 2017 die Beziehungen zu Katar abgebrochen, weil das Land den Terrorismus unterstütze. Erst im Januar wurde die sogenannte Katarkrise beendet – doch Doha will durch eine breite Öffentlichkeit ein Bewusstsein für diese Konflikte schaffen. Kontakte in den Westen sind wichtig, um potenzielle Bündnispartner im Streit gegen die Saudis zu gewinnen.

    Herzversagen aus Wassermangel

    Alle PR-Bemühungen konnten aber nicht über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen hinwegtäuschen. Vor allem die Fussballweltmeisterschaft lenkte das Augenmerk auf die prekäre Situation der ArbeitsmigrantInnen. Nach anhaltender Kritik aus dem Ausland wurden verschiedene Versprechen abgegeben, und im August vergangenen Jahres wurde ein Gesetz verabschiedet, um das sogenannte Kafala-System zu beenden. Dieses gewährt Unternehmen umfassende, unkontrollierte Macht über die ausländischen MitarbeiterInnen. Nach den neuen Gesetzen sollen ArbeitsmigrantInnen nicht mehr wie Eigentum behandelt werden können, sie brauchen nun keine Erlaubnis ihres Arbeitgebers mehr, um die Stelle zu wechseln oder ausreisen zu dürfen. Zudem wurde ein Mindestlohn festgelegt, der auch für ausländische ArbeiterInnen gilt. Laut Menschenrechtsorganisationen würden viele ArbeiterInnen nach langen Schichten an Herzversagen sterben, weil sie mit wenig Trinkwasser und unzureichenden Lebensmitteln bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius schuften müssen. Andere verletzten sich tödlich auf ungesicherten Baustellen.

    Es gibt Zeichen dafür, dass die Reformen wieder rückgängig gemacht werden könnten.

    Eine Untersuchung von HRW kam im vergangenen Jahr zum Ergebnis, dass die neuen Gesetze nicht eingehalten werden und die Firmen immer noch zu viel Macht über die ArbeiterInnen haben. Die Organisation mahnte an, dass die Menschenrechtsverletzungen sich seit Ausbruch der Coronapandemie gar verschärft hätten. «Einige Arbeitgeber nutzten die Pandemie als Vorwand, um Löhne einzubehalten, oder sie weigern sich, ausstehende Löhne an inhaftierte und zwangsrückgeführte Arbeitnehmer auszuzahlen», schreibt die Organisation.

    Noch immer könnten sich ArbeitsmigrantInnen kaum vor Gericht wehren, kritisiert auch May Romanos, Expertin für die Rechte von MigrantInnen in den Golfstaaten bei Amnesty International. «Ausserdem kommen sie oft verschuldet nach Katar, nachdem sie hohe Gebühren an Jobvermittler bezahlen mussten. Deswegen sind sie in einem Kreislauf des Missbrauchs gefangen.» Die Betroffenen stünden unter Druck, ihre Schulden zurückzuzahlen. Viele arbeiteten monatelang gratis – immer unter dem Versprechen, in Kürze Lohn zu bekommen. Auch der Vater des an einem Stromschlag verstorbenen Mohammad Shahid Miah berichtete dem «Guardian», dass sein Sohn einem Personalvermittler über 3500 Pfund bezahlt habe, um einen Job in Katar zu bekommen. Diese Schulden werden nun an seine Eltern weitergegeben.

    Inzwischen gibt es erste Warnzeichen dafür, dass die eingeleiteten Reformen wieder rückgängig gemacht werden könnten. Denn Ende Februar gab der sogenannte Schura-Rat, die stark unter der Kontrolle des Emirs stehende beratende Versammlung, Empfehlungen ab, die darauf abzielen, die erst neu eingeführten Rechte der ArbeitsmigrantInnen wieder aufzuheben. «Wenn diese Empfehlungen akzeptiert werden, würde ein Grossteil der Fortschritte, die Katar bisher erzielt hat, wieder rückgängig gemacht werden», fürchtet Romanos. «Das Kafala-System würde in seiner ganzen Hässlichkeit wiederbelebt werden.»

    wo unrecht zu recht wird, wird widerstand zur pflicht!

  • und ich hab immer gemeint, mann solle Sport und Politik trennen......, ändern kann man das nur noch, wenn die FIFA endlich klare Regeln erstellt, ohne Korruption. Doch das scheint mir je länger je unwahrscheinlich. Der Nachfolger von Blatter ist von ähnlichem Holz geschnitzt.

    • Offizieller Beitrag

    <woltlab-quote data-author="snowcat" data-link="Qatarschtrophe..."><p>us de woz vom 01.04.2021</p><p><br></p><p>WM-BOYKOTT?</p><p><br></p><p><span style="font-size: 24pt;">Schweigen ist keine Option mehr</span></p><p><br></p><p>Am Anfang stand ein norwegischer Exfussballprofi – jetzt breitet sich die Bewegung für einen Boykott der Fussball-WM 2022 in Katar rasant aus. Doch bringt so ein Boykott überhaupt etwas? Und wie verhält sich die Schweizer Nati, deren Hauptsponsor in Katar Milliardeninteressen verfolgt? Von Dinu Gautier und Jan Jirát</p><p><br></p><p><em>«Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.» Berti Vogts, Captain der deutschen Nationalmannschaft, nach der Fussball-WM in der Militärdiktatur, 1978.</em></p><p><br></p><p>Tom Hoglis fussballerische Sternstunde kam, als der norwegische Aussenverteidiger im Sommer 2011 auf den portugiesischen Superstar Cristiano Ronaldo traf: CR7 sah neunzig Minuten lang kaum einen Ball – und war sichtlich genervt.</p><p><br></p><p>Hoglis aktivistische Sternstunde ist jetzt gekommen: Auf seine Initiative hin begann sich der Fussballklub Tromsö IL, bei dem Hogli inzwischen als Funktionär arbeitet, beim norwegischen Fussballverband für einen Boykott der WM in Katar einzusetzen. Am Telefon erzählt Hogli von seinen Projekten mit benachteiligten Jugendlichen im hohen Norden: «Wir bringen Kindern über den Fussball Dinge wie Fairplay oder Teamwork bei. Und dann wird das wichtigste Fussballturnier der Welt in Katar veranstaltet, einem Land, in dem die Arbeiter praktisch keine Rechte haben und zu Tausenden auf den Baustellen sterben …»</p><p><br></p><p>Weitere norwegische Profiklubs haben sich inzwischen der Forderung Tromsös angeschlossen; der norwegische Fussballverband entscheidet im Juni, ob er seine Mannschaft im Fall einer Qualifikation vom Turnier zurückziehen wird. Auch die Nationalspieler beschäftigt das Thema. Beim Qualifikationsauftakt in Gibraltar letzte Woche trugen die Spieler bis zum Anpfiff T-Shirts, die Menschenrechte einforderten – «auf und neben dem Platz». Tags darauf tat es ihnen die deutsche Nationalmannschaft gleich.</p><p><br></p><p>Und auch der Druck der Fans steigt: In Deutschland rufen im Bündnis #BoycottQatar2022 organisierte Fanklubs genauso wie der Verband Pro Fans zum Boykott auf – eine erstaunlich populäre Forderung: Laut einer repräsentativen «Spiegel»-Umfrage befürworten etwa zwei Drittel der Befragten in Deutschland einen Boykott. «Wir werden von Zustimmung und Unterstützung geradezu überrollt», sagt Bernd Beyer von #BoycottQatar2022. Nahezu täglich würden sie Protestideen und -pläne von Fangruppierungen erreichen. «Ich bin mir sicher, dass sich der Druck auf die Fussballverbände noch deutlich erhöhen wird.» Sig Zelt von Pro Fans erklärt sich die Popularität des Aufrufs folgendermassen: «Die Verletzung von Menschenrechten steht in Katar direkt mit unserem Sport und der Ausrichtung des Turniers in Zusammenhang. Das nimmt uns allen wirklich die Lust daran, unser Nationalteam dort spielen zu sehen.»</p><p><br></p><p>Die Diskussion hat auch in Dänemark und den Niederlanden Fahrt aufgenommen. Die niederländische Gärtnerei Hendriks Graszoden weigert sich, Katars Stadien mit Rasen zu beliefern, nachdem im Februar der «Guardian» die Zahl von 6500 Toten auf Katars Baustellen seit Vergabe der WM vor zehn Jahren genannt hatte. Zahlreiche Fans gelangten an den niederländischen Fussballverband, der mit einem ziemlich scharf formulierten Communiqué reagierte: Man werde das Turnier zwar nicht boykottieren, sei aber schon immer gegen eine Austragung in Katar gewesen und werde alles daransetzen, dass eine solche Turniervergabe nie mehr geschehen werde.</p><p><br></p><p>Schweizer Zurückhaltung</p><p><br></p><p>Der Weltfussballverband Fifa ist in der Schweiz zu Hause – und fühlt sich hier pudelwohl. Der Verband darf trotz Milliardenumsätzen als Verein auftreten und profitiert dadurch von Steuerprivilegien. Und wenn die Bundesanwaltschaft wegen Korruption ermittelt, wird Fifa-Präsident Gianni Infantino auch mal zu einem informellen Meeting ins Berner Hotel Schweizerhof geladen – das dem katarischen Staatsfonds gehört.</p><p><br></p><p>Die Boykottdebatte ist im Schweizer Fussball noch bei weitem nicht so fortgeschritten wie in den nordischen Ländern. Josef Zindel, Präsident von Fanarbeit Schweiz: «Zurzeit ist uns keine breit angelegte Organisation von Boykottbefürwortern in der Schweizer Fanszene bekannt.» Man werde das Thema aber mit den lokalen Fanarbeitsstellen diskutieren und dann den Schweizerischen Fussballverband (SFV) mit allfälligen Forderungen konfrontieren.</p><p><br></p><p>Auch bei den Fussballklubs hält man sich Optionen offen: YB-Sprecher Albert Staudenmann verweist zwar in erster Linie auf den SFV, «der die Schweizer Interessen im internationalen Fussball wahrnimmt»; die Young Boys würden sich aber vorbehalten, «zu gegebener Zeit auf Missstände hinzuweisen». Protestaktionen seien «im Moment» jedoch keine geplant.</p><p><br></p><p>Für den SFV nimmt auf Anfrage Präsident Dominique Blanc schriftlich Stellung: Die Nati habe das Thema vor dem Auftakt zur WM-Qualifikation diskutiert und beschlossen, keine Aktion auf dem Feld durchzuführen. «Die Spieler und der Staff tragen aber die Haltung des SFV vollständig mit und unterstützen den Verband dabei, unseren Einfluss zum Schutz der Menschenrechte geltend zu machen.» Der SFV setze nicht auf Boykott, sondern auf Dialog: Mit der Fifa und mit Amnesty International hätten bereits Gespräche stattgefunden. «Die Organisation der WM kann zu Verbesserungen beitragen, da ein Land dem Licht der ganzen Welt ausgesetzt ist», schreibt Blanc. Der SFV-Präsident verweist auch darauf, dass sich Amnesty International nicht für einen Boykott ausspreche.</p><p><br></p><p>Drohendes PR-Desaster</p><p><br></p><p>Dass Amnesty International nicht zum Boykott aufruft, stimmt. Die Menschenrechtsorganisation spricht sich aber auch nicht dagegen aus. Auf Nachfrage heisst es aus der Amnesty-Zentrale in London, es sei an den Teams und Verbänden, den einzelnen Spielern und Fans, zu entscheiden, ob sie teilnehmen wollten. Lisa Salza von Amnesty International Schweiz erläutert: «Wir haben uns für den Dialog entschieden – wobei dieser natürlich nur im Wechselspiel mit öffentlichem Druck erfolgreich sein kann.» Es sei verständlich, dass manche Spieler und Fans sich nicht für die PR Katars einspannen lassen wollten und dieses Turnier boykottierten. «Gleichzeitig bietet so eine WM ein Zeitfenster, in dem Missstände, auf die wir schon seit Jahren hinweisen, eine ausserordentliche Aufmerksamkeit erhalten und konkrete Verbesserungen bewirkt werden können.» Katar habe sich wegen der internationalen Kritik gezwungen gesehen, ArbeitsmigrantInnen besser vor Ausbeutung zu schützen, wobei sich erst nach der WM zeigen werde, wie nachhaltig diese Reformen sind (vgl. «Gefangen in einem Kreislauf des Missbrauchs»).</p><p><br></p><p>Und sogar die Fifa habe in den letzten Jahren ein bisschen dazugelernt: «Es gab massiven Druck – von NGOs, aber auch durch WM-Sponsoren wie Coca-Cola oder Visa», sagt Salza. Der Verband könne Menschenrechtsfragen heute nicht mehr gänzlich ignorieren und habe sie für zukünftige WM-Vergaben zu einem Kriterium gemacht. «Noch vor zehn Jahren hat die Fifa jegliche Verantwortung für Menschenrechtsfragen weit von sich gewiesen», erinnert sich Salza.</p><p><br></p><p>«Amnesty International spielt hier im Rahmen einer Good-Cop-Bad-Cop-Strategie den Good Cop, der der katarischen Regierung und der Fifa einen Ausweg anbietet», sagt Volkswirtschaftsprofessor Sebastian Krautheim, der an der Universität Passau zu NGO-Kampagnen und deren Einfluss auf multinationale Konzerne forscht. Bei früheren Grossveranstaltungen im Sport sei es meist so gewesen, dass ein Turnier eher von Missständen im Austragungsland abgelenkt habe. «Das dürfte dieses Mal anders sein, weil die Vorwürfe schwer wiegen und untrennbar mit dem Event selbst verknüpft sind.»</p><p><br></p><p>Diese Ausgangslage biete NGOs starke Angriffspunkte: «Das Risiko eines PR-Desasters war selten so gross wie bei dieser WM», sagt Krautheim. Katars Regierung und die Fifa bräuchten Amnesty als Kronzeugin, um ein solches zu verhindern, was der NGO einen starken Hebel gebe, um Verbesserungen für die ArbeitsmigrantInnen zu erreichen. «Insofern ergänzen sich die Strategien: Je mehr Boykottaufrufe und Beinahe-Boykotte, desto einflussreicher wird Amnesty.» Käme es aber tatsächlich zu einem frühzeitigen breiten Boykott, würde das den Interessen der NGO eher schaden, meint Krautheim – weil damit auch der Hebel für konkrete Veränderungen wegfalle.</p><p><br></p><p>In Dänemark gab die Arbejdernes Landsbank jüngst bekannt, man werde zwar Sponsor des Nationalteams bleiben, wolle aber an der WM nicht in Erscheinung treten und auch keine VIP-Anlässe in Katar veranstalten. Casper Fischer Raavig, Initiator einer Boykottkampagne in Dänemark, hat bereits ein nächstes Ziel vor Augen: den Ausrüster Hummel. «Wir versuchen, ihn zu einer Reaktion zu bewegen, weil sich Hummel auch als ‹stolzer Sponsor der LGBTQ-Community› bezeichnet.» Angesichts der Verfolgung genau dieser Community in Katar sieht Fischer Raavig den Ausrüster in der Pflicht, die Zustände in Katar anzusprechen.</p><p><br></p><p>Der Fussballaktivist macht eine Mitverantwortung aber nicht nur bei den Verbänden und den Sponsoren aus – sondern auch bei den TV-Stationen, die das Turnier übertragen werden: «Denen werden wir als Nächstes Fragen stellen: Sind sie sich bewusst, dass das katarische Regime eine massive PR-Kampagne lancieren wird, sobald das Turnier startet? Und wie werden sie in der Berichterstattung damit umgehen?» Die WOZ hat Sponsoren der Fussballnati um Stellungnahmen zu den Zuständen in Katar gebeten und sie gefragt, ob sie sich ähnliche Schritte wie jene der Arbejdernes Landsbank vorstellen könnten. Die Reaktionen fallen durchs Band sehr verhalten aus – und gleichen sich stark: Während etwa der Hauptsponsor Credit Suisse der Nati eine «erfolgreiche Qualifikation» wünscht, drückt ihr das Uhrenunternehmen Carl F. Bucherer «die Daumen». Die Swiss begrüsst den «Weg des Dialogs», den der SFV eingeschlagen habe, während Carl F. Bucherer bezüglich Katar selber «in ständigem Dialog» mit dem SFV stehe. Auch die Credit Suisse weist auf den «engen Austausch mit dem SFV hin», vermeidet es in ihrer Stellungnahme aber gänzlich, auch nur das Wort «Katar» zu benützen – von Menschenrechten ganz zu schweigen.</p><p><br></p><p>Credit Suisse und der Staatsfonds</p><p><br></p><p>Die Zurückhaltung der Grossbank erstaunt kaum: Die Credit Suisse sponsert neben der Fussballnati auch deren Spiele im Schweizer Fernsehen SRF – was aus journalistischer Perspektive fürs Fernsehen heikel werden könnte, sollte sich die Nati für die WM qualifizieren. Die Bank verfolgt nämlich in Katar handfeste Businessinteressen: Sie ist eng mit dem katarischen Staatsfonds verbandelt. Schon länger betreiben die beiden Akteure zusammen das Anlagevehikel Aventicum Capital Management, das im Vorfeld der Fussball-WM in Infrastrukturprojekte in Katar investiert, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete.</p><p><br></p><p>Im Herbst gaben die beiden Akteure eine weitere «strategische Partnerschaft» bekannt. Künftig werde man über eine gemeinsame Plattform Firmenkredite in der Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar vergeben. Der etwa 300 Milliarden US-Dollar schwere katarische Staatsfonds ist der grösste Aktionär der CS, hält direkt gut fünf Prozent der Aktien; zusammen mit indirekten Beteiligungen soll er sogar rund ein Fünftel der Grossbank kontrollieren.</p><p><br></p><p>Hoch in Norwegens Norden freut sich Tom Hogli derweil darüber, dass sich zurzeit so viele Menschen mit dem Thema beschäftigen. «Mein Ziel bleibt es, dass sich alle Klubs, die Verbände und letztlich auch die Sponsoren öffentlich zu den Vorkommnissen in Katar äussern und erklären müssen.» Schweigen oder Wegschauen dürfe künftig keine Option mehr sein: «Es steht nichts weniger als die Glaubwürdigkeit unseres Sports auf dem Spiel, die Zukunft des Fussballs», so der Exnationalspieler.</p><p><br></p><p><br></p><p>Gesendet von iPhone mit Tapatalk</p></woltlab-quote><p>Ganz ehrlich?</p><p><br></p><p>Können WM, EM, CL und die anderen, auf China und Scheichs ausgerichtete Produkte überhaupt noch faszinieren?</p><p><br></p><p>Ich gehe lieber in Wallisellen das "erfolgreiche A+" und die weniger erfolgreiche 1. Mannschaft schauen, als dass ich Kanäle suche, wo ich ein Spiel der erwähnten Wettbewerbe suche; den zahlen will ich dafür nicht.</p><p><br></p><p>Gönne und wünsche der FIFA und UEFA, dass diese "das Loch" runter gehen. Ist nur noch elitäres Geldmachen und soll ja noch weiter ausgebaut werden.</p><p><br></p><p>Wünsche denen jeden Misserfolg in der Welt ...</p>

  • <woltlab-quote data-author="Mushu" data-link="Qatarschtrophe..."><p>Ganz ehrlich?</p><p><br></p><p>Können WM, EM, CL und die anderen, auf China und Scheichs ausgerichtete Produkte überhaupt noch faszinieren?</p><p><br></p><p>Ich gehe lieber in Wallisellen das "erfolgreiche A+" und die weniger erfolgreiche 1. Mannschaft schauen, als dass ich Kanäle suche, wo ich ein Spiel der erwähnten Wettbewerbe suche; den zahlen will ich dafür nicht.</p><p><br></p><p>Gönne und wünsche der FIFA und UEFA, dass diese "das Loch" runter gehen. Ist nur noch elitäres Geldmachen und soll ja noch weiter ausgebaut werden.</p><p><br></p><p>Wünsche denen jeden Misserfolg in der Welt ...</p></woltlab-quote><p></p><p>jein! grundsätzlich bin ich natürlich bei dir als erklärter fussballromantiker!</p><p><br></p><p>ABER:</p><p><br></p><p>wenn zb. die cl in die entscheidende phase kommt, halbfinal-final, oder gar der wm final ansteht, dann schaue ich, immer! dann gelten keine persönlichen grundsätze mehr, dann ist fussball!</p><p><br></p><p>vor allem wm und em hat sich doch eine gewisse ehrlichkeit bewahrt, einfach durch die tatsache, dass man nationalmannschaften nicht zusammen kaufen kann!</p><p><br></p><p><br></p><p>Gesendet von iPhone mit Tapatalk</p>

    wo unrecht zu recht wird, wird widerstand zur pflicht!

  • doppeladler und rolling neymar reloaded…

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    wo unrecht zu recht wird, wird widerstand zur pflicht!

    Einmal editiert, zuletzt von snowcat (1. April 2022 um 21:16)

  • Seit ein paar Jahren läuft ja vieles doch recht "weltfremd" ab auf diesem Globus.
    Leider stellen wir dies aber immer erst hinterher fest und wollen vorab die kritischen Stimmen nicht hören.

  • Seit ein paar Jahren läuft ja vieles doch recht "weltfremd" ab auf diesem Globus.
    Leider stellen wir dies aber immer erst hinterher fest und wollen vorab die kritischen Stimmen nicht hören.

    Nööö ganz einfach: Geld regiert die Welt!

    Solange das so ist und bleibt, wird sich nie etwas ändern.

    Russki standart!!

    • Offizieller Beitrag

    Die WM nicht im TV zu schauen, mag wohl vielen schwerfallen.

    Wer aber nach Qatar reist, um da live mit dabei zu sein, dem ist schon nicht mehr zu helfen.
    OK. Der Ignazio ist sicher für ein paar coole Fötelis vor Ort zu haben.

    Absolut deiner Meinung. Noch behämmerter ist jedoch, dass man eine WM an ein "solches" Land vergibt!

    Von der FIFA HomePage:

    „Angesichts ihres Einflusses
    und ihrer globalen
    Reichweite ist die FIFA
    verpflichtet, sich auch für
    soziale und humanitäre
    Anliegen einzusetzen.
    Die Organisation trägt aktiv
    dazu bei, den Sport als
    Motor zur sozialen
    Entwicklung, im Kampf
    gegen Rassismus und alle
    Formen von Diskriminierung
    sowie zur Förderung der
    Nachhaltigkeit bei Sportgrossveranstaltungen und
    der Fairness im Fussball
    zu nutzen.“
    (FIFA 2.0, 2016)

    Und:

    "Sollen Vielfalt und Antidiskriminierung nachhaltig
    gefördert werden, sind zentral einheitliche
    Detailmassnahmen nicht immer hilfreich. Deshalb gilt
    für diesen Ratgeber folgender Leitgedanke: Jeder
    Mitgliedsverband folgt seinen landesüblichen Gesetzen
    und Religionen, hat seine ganz eigene Geschichte und
    Tradition. Diskriminierungsformen können sich regional
    erheblich unterscheiden. Nur wenn diese Aspekte
    berücksichtigt werden, können Massnahmen ihre
    Zielgruppen wirklich erreichen. Jedem Mitgliedsverband
    stellen sich ganz eigene Herausforderungen, wie er
    Vielfalt und Antidiskriminierung effektiv fördert."

    Wischi-waschi. Aber wie schon heute vermerkt auf unserer Pinnwand:

    "Money talks, bullshit walks!"

  • Die WM nicht im TV zu schauen, mag wohl vielen schwerfallen.

    Wer aber nach Qatar reist, um da live mit dabei zu sein, dem ist schon nicht mehr zu helfen.
    OK. Der Ignazio ist sicher für ein paar coole Fötelis vor Ort zu haben.

    Ja, sehe ich auch so...

    Am TV werden es sicher die meisten verfolgen. Jetzt ist die WM ja auch mal in einer idealen TV-Zeit. Im Sommer verpasst man ja bei schönen Wetter immer wieder Spiele weil man am Abend lieber draussen Sport macht anstatt vor der Glotze zu hocken, das ist in diesem Jahr kein Problem da es eh dunkel und kalt ist...

  • Die WM nicht im TV zu schauen, mag wohl vielen schwerfallen.

    Wer aber nach Qatar reist, um da live mit dabei zu sein, dem ist schon nicht mehr zu helfen.
    OK. Der Ignazio ist sicher für ein paar coole Fötelis vor Ort zu haben.

    es wird genauso viele zuschauer wie immer haben an einer wm, vor ort und im tv. ok, vor ort vielleicht etwas weniger. hat irgendjemand ernsthaft das gefühl dass sich irgendein scheich beeindrucken lässt, wenn ich nicht schaue? oder der oberkorrupte aus dem wallis? also nicht blatter, der andere...ist denen sowas von scheissegal!

    am lustigsten finde ich die "das-wird-die-erste-wm-an-denen-ich-mir-kein-spiel-anschaue" und diese dann spätestens im 1/8 finale ihres teams vor dem tv hocken oder gar nach möglichkeiten suchen vor ort dabei zu sein.

    wenn werte, moral, menschenrechte, menschenwürde, nachhaltigkeit etc. tatsächlich etwas zählen würden, nicht nur pro forma, hätte man sich die letzten 50 jahre, von den grossanlässen, vermutlich nur gerade die olympischen winterspiele 1994 in lillehammer anschauen dürfen.

    da wir auf dem rückflug von australien via doha fliegen, hatten wir sogar 4 tage (die 4 tage der 1/8 finals) in doha geplant. aber die hotels kosten ungefähr das 10-fache vom normalpreis. ich zahle nicht 15'000 für 4 tage doha... aber jä nu, gehen wir halt diese 4 tage nach abu dhabi und dubai! aber ich wäre mit reinem gewissen in doha dabei gewesen. ist sowieso alles eine frage des standpunktes. oder frag mal die baerbock, von wem sie das gas will, statt von den russen...wm in qatar nein, gas und öl von qatar ja! genau mein humor! :rofl:

    wo unrecht zu recht wird, wird widerstand zur pflicht!

    3 Mal editiert, zuletzt von snowcat (11. Oktober 2022 um 21:22)

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